Freitag, 14. März 2008

Dragon Day

Am Freitag vor Spring Break steht Cornell Kopf: Aus strebsamen Studenten werden gröhlende Gestalten, aus geordnetem Vorlesungsbetrieb wird ein durchgeknallter Feldzug über den Campus und Cornells Leitfarbe Rot weicht für einen Tag einem grellen Grün, der Farbe des Drachen: Dragon Day!

In den Hallen der Archtitekturgebäude wird Jahr für Jahr von den Freshmen (Studenten im ersten Jahr) ein neues Monstrum erschaffen. Hier werden gerade die letzten Montagen gemacht.

Währenddessen strömen aus allen Richtungen Architekturstudenten heran, um den Drachen auf seinem Weg zu begleiten:

Sie kommen als Raben,

als Teufel,

als Rucksackorganisten.

Beliebt sind die Farbe Grellgrün, sowie alles was spitz ist,

aber auch Vermummungen aller Art.

Einer der Drachenführer besteigt das Tier, lässt einen Schlachtruf los und aus der Menge erhebt der Drache seinen Kopf zum ersten Mal:

Der Zug setzt sich in Bewegung, singend schreiend, trommelnd.

Der Drache schwingt seine Pranken, stellt seine Stacheln auf.

Sein Kopf nickt und neigt sich wie frei schwebend, seine Kiefer öffnen und schließen sich, drohen jedem eventuellen Widerstand auf dem Weg.

Der Schwanz des Drachen singt im Chor "Out of the way!" als es zu einem kurzen Stop kommt.

Mit bei der Parade vom Architekturhaus Rand Hall über die East Avenue zum Engineers Quad und zurück zum Arts Quad sind auch ein Babydrache,

Baumkletterer,

und gepanzerte Polizei.

Im Engineers Quad trifft der Drache dann auf seinen Erzfeind: Den roten Phönix, Kontragestalt der Engineering-Studenten. Die Rivalität zwischen der Architecture School und dem College of Engineering ist mehr Tradition als echte Feindschaft, doch in der Vergangenheit hat es am Dragon Day auch tatsächlich schon Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Lagern gegeben.

Der Drache bäumt sich im Angesicht seiner Gegners auf

und es kommt zu einer Kopf-an-Kopf Konfrontation. Der rote Phönix ist aber an Größe, Dynamik und studentischem Gröhlrückhalt[1] dem Drachen nicht gewachsen und tritt nach kurzer Zeit den Rückzug an.

Der verrückte Zug nimmt seinen Weg zum Arts Quad wieder auf, manch betrunkenem Kanufahrer wird dabei beim Rudern geholfen.

Der Drache hat - seine Mission erfüllend - den Ingenieuren für ein weiteres Jahr gezeigt, wer das echte Ungetüm am Campus ist, nun geht er seinem weiteren Schicksal entgegen:

Auf der Wiese geht er zu Boden, die man wirft die Kostüme ab und begräbt ihn damit.

Von seinen eigenen Schöpfern wird der Drache angezündet

und brennt nach wenigen Sekunden lichterloh.

Nach kurzer Zeit ist von ihm nur mehr ein Skelett aus brennendem Holz und Eisen über. Die Drachen-Ekstase hat ein Ende, die Menge löst sich so schnell auf wie sie sich zusammengerottet hat, und jeder nimmt ein Bisschen was vom Spirit of the Dragon in die Ferien mit.

[1] Beim Gröhlen wird offensichtlich, dass die Architekten das richtige Studienfach gewählt haben und nicht etwa Linguisten werden wollen: Während die knifflige bewegliche Konstruktion ihres Drachens mir wirklich den Mund hat offen stehen lassen, begrenzten sich ihre Schlachtrufe auf ein primitiv wiederholtes "Engineers suck!"

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nicht auszudenken, welch schwerwiegende inspirative Folgen der Besuch eines zünftigen Perchtenlaufes auf amerikanische Studenten hätte...und erst auf die riot police!

Stefan de KLBG

Anonym hat gesagt…

Danke für diese vielen eindrucksvollen Bilder! Ich war ja schon ein bisschen informiert über den Dragon Day, aber dieser Bericht übertrifft meine Vorstellungen bei weitem!

Mama

Anonym hat gesagt…

Hehe... klingt lustig!

Anonym hat gesagt…

Die primären Mittel der Artikulation eines Architekten sind ja Zeichnungen, Pläne, Kollagen oder Modelle. Ich glaub das ist international gleich. Die gesamte Anstrengung und Konzentration fließt in diese Medien. Es ist dann oft schwierig sich überhaupt auf verbale Kommunikation zu konzentriern. "Engineers suck!" ist in diesem Zusammenhang durch die Aneinanderreihung von Subjekt und Prädikat schon eine hoch komplexe Struktur, die in ihrer kürze und inhaltlichen Schärfe wesentliche Gefühle eines Architekten zum Ausdruck bringt.Weniger ist manchmal mehr.

Also in diesem Sinne,
Engineers Suck! ich hätts nicht besser sagen können!
lg, oech