Donnerstag, 6. März 2008

In Boston - oder: Glueckskinder, Teil II

Reserviert hatten wir also ein kleines Auto, bekommen haben wir einen family van.
Gegeben haett es eine Unzahl an teuren Parkplaetzen, wir landeten auf einem billigen, der ums Eck vom Hostel war.
Und dann im Hostel: Bestellt hatten wir vier Betten in einem Zwoelfbettzimmer, die Schluessel gab man uns fuer ein Vierbettzimmer. Mit zwei Badezimmern! Freilich zum selber Preis, denn gebucht hatten wir ja das grosse Zimmer und es war nur eine Aenderung im Buchungssystem "schuld", dass wir zu viert bleiben konnten.

Samstag vormittag fuhren wir dann ins Zentrum. Von NYC an halbstuendige subway-Fahrten gewoehnt waren wir ganz ueberrascht, wie schnell man in Boston ueberall ist, wie klein die Stadt ist! Mit der green line der Bostoner T fuhren wir also zum Government Center. Die green line stellt man sich am besten als unterirdische Strassebahn vor, mein Lieblingsdetail an ihr - zumindest fuer meine Wiener Ohren: Sie bimmelt! Sie bimmelt wenn sie losfaehrt, sie bimmelt wenn sie eine andere Garnitur trifft, sie bimmelt wenn sie beschleunigt, wenn sie bremst und wenn sie in die Station einfaehrt. Eine echte U-Bim!

Die rote Linie, die wir spaeter auch noch kennengelernt haben, ist hingegen eine echte U-Bahn. Das T-System in Boston ist aus verschiedenen Schienensystemen zusammengewachsen und ist dementsprechend unflexibel, etwa im Vergleich zur subway in New York. Der Vorlaeufer der U-Bim war laut einer Museumsfuehrerin eine Pferdestrassenbahn.

Der Stadtkern von Boston wird von einem gewissen freedom trail durchzogen, der alle historischen Plaetze der Gruenderstadt verbindet. Wir hatten zwar nicht vor, ihn in voller Laenge abzumarschieren, aber bei unseren Zickzackwegen durch die Ueberschaubarkeit Bostons haben wir ohnehin alle wichtigen Stationen passiert. Die Sehenswuerdigkeiten des freedom trails sind mit einigen Ausnahmen daran zu erkennen, dass sie das Woertchen old im Namen tragen und aus roten Backsteinen gebaut sind: das old state house, das old south meeting house, die old north church, der old corner bookstore. Letzteren haben wir dreimal gesucht, aber nie gefunden. Dafuer haben wir noch den Hafen gesehen und - was mir besonders gut gefallen hat - das italienische Viertel, wo wir - ganz unpassend fuer Boston-Beantown[1] - pasta und carne gegessen haben.

Am Abend folgten wir dann einem Rat, den wir im Hostel bekommen habem, und gingen am Harvard Square aus. Da ich selbst anfangs etwas verwirrt war, wo denn jetzt Harvard ist, ob Cambridge eine Universitaet oder eine Stadt ist, ob sie in England oder in New-England liegt und ob das alles etwas mit Boston zu tun hat, kommt hier eine kleine Erklaerung:

Die Harvard University wurde 1636 in der Stadt Cambridge gegruendet, welches damals in relativ beachtlicher Entfernung auf der anderen Seite des Charles River gegenueber von Boston lag. Die Bostoner Bucht wurde aber mit der Zeit immer weiter zugeschuettet und besiedelt, irgendwann wurde dann die erste Bruecke nach Cambridge gebaut und schnell wuchsen die beiden Staedte zusammen. Heute ist Boston-Cambridge also eine Buda-Pest artige Zwillingsstadt, deren kleinere Haelfte hauptsaechlich fuer die alte Ivy League Uni Harvard sowie fuer das juengere Massachusetts Institute of Technology (MIT) bekannt ist. Boston selbst beherbergt auch einige Universitaeten, was den Siedlungsraum zu einem absoluten Bildungszentrum macht. Die Stadt Cambridge teilt freilich nicht zufaellig ihren Namen mit der Heimatstadt der englischen Cambridge University, vielmehr wurde diese jener zu Ehren benannt. Fehlt nur noch, dass man das MIT 'Oxford University' nannte; die Verwirrung waere perfekt.

Ein kleinwenig Neugierde, wie denn Harvard-Studenten beim Fortgehen wohl aussehen, sozusagen Lust auf etwas geek spotting, war wohl auch bei unserer Entscheidung dabei, abends die rote Linie zum Harvard Square zu nehmen. Nachdem Emmy junge 20 Jahre alt ist und in Massachusetts wie in New York State Alkoholkonsum erst ab 21 erlaubt ist waren wir mal wieder auf unser Glueck angewiesen, ein Lokal zu finden, wo erst an der Theke und nicht schon an der Tuer nach einer ID mit Geburtsdatum gefragt wird. Und das Glueck liess uns nicht im Stich: Beim zweiten Versuch waren wir drinnen, in einem kleinen, netten Pub. Dort lernten wir dann tatsaechlich Cambridge Studenten kennen, allerdings nicht von Harvard, sondern vom MIT. Fuer geek spotting stellten sie allerdings kein geeignetes Substrat dar, dafuer war schnell eine Gespraechsstoff liefernde Gemeinsamkeit entdeckt: Till, Michael und Pablo sind exchange students; aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Spanien. Im Gegensatz zu uns war es fuer die drei aber erst ihre zweite Woche in den USA. Es folgten einige Runden Bier und viel Plauderei. Um 1.30h(!) wurde in der Bar bereits dicht gemacht, ein Taxi brachte uns nach Haus.

Der Sonntag brachte dann wieder schoenes Wetter und wir machten uns erneut auf den Weg nach Harvard, diesmal allerdings zu Fuss. Der alte Campus war fast menschenleer und so klein im Vergleich zu Cornell! Harvard hat auch keinen schoenen clocktower und keine slope, keine Schneemaenner und keine harrypottereske Williard Straight Hall. Kurzum: Ich habe festgestellt, dass ich auf der richtigen Uni bin!

Im Harvard Museum of Natural History haben wir noch Walskelette, die groesste Glasblumensammlung der Welt und andere Seltenheiten besichtigt, bevor wir dann mit Till, Michael und Pablo algerisch Mittagessen waren.

Ja und dann hiess es, wieder in Richtung Ithaca aufzubrechen! Einmal forderten wir unser Glueck noch heraus. Fortsetzung folgt.

[1] In Boston wurden die baked beans erfunden.

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