Sonntag, 30. März 2008

"I'm not there", but Mr. Haynes is, im Kinoparadies


Gestern abend segnete mich das organisierte Leben am West Campus mit einer besonderen Gelegenheit: Es gab Freikarten für den Film I'm not there, die in jeder Hinsicht unkonventionelle Filmstudie zu "den vielen Leben Bob Dylans". Ein sehenswerter, für Dylan-Kenner wohl etwas verwirrender, für Dylan-Nicht-Kenner (wie mich) absolut verwirrender Film, der aber auch ohne Verständnis seiner Lagen und Stränge schon allein filmisch beeindruckt. Das Bild zeigt die sechs Figuren, die Dylan repräsentieren; für die Cate Blanchett rechts unten gab's bekanntlich eine Oscar-Nominierung. Kreiert hat sie, die Figuren, allesamt ein Mann: Regisseur Todd Haynes. Und genau dieser war gestern Abend in Cornell zu Besuch, hat ein Statement vor der Vorstellung gegeben und ist danach noch für ein Gespräch mit einem angesehenen Filmkritiker geblieben- diesen Teil habe ich leider verpasst.

Die Cornell Universität betreibt zwei Kinos, eines in Williard Straight Hall, eines in Uris Hall. Ersteres ist ein wirklich schöner, alter Kinosaal mit Theaterarchitektur, letzteres ist ein großer Hörsaal, den man mit einem Projektor ausgestattet hat. All meinen Vorsätzen und Wünschen der letzten Jahre, öfters ins Kino zu gehen, kann ich hier wunderbar nachkommen. So häufig wie in den letzten Wochen war ich überhaupt noch nie im Kino, wenn ich mich nicht verzählt habe, acht Mal in zehn Wochen. Mit dem Becker House komme ich immer wieder gratis ins Kino, ansonsten zahle ich für eine Karte vier Dollar (€2,50).
Es ist ein Kinoparadies: Günstig, keine 10 Minuten von meiner Haustür entfernt, das Programm ist abwechslungsreich, an stets wechselnden Themenschwerpunkten orientiert, immer von hoher Qualität, und im dauernden Wechsel: Die meisten Filme werden nur circa zwei Mal gezeigt. So kommt es, dass ich mittlerweile

- einen must-see Klassiker (Woody Allens Manhattan) gesehen habe,
- die für den letzten Oscar nominierten Kurzfilme,
- amerikanische Filme von
- leicht unkonventionell (das Alaska-Epos Into the Wild)
- über unkonventionell (die indische Eisenbahnkomödie Darjeeling Limited)
- bis zu total unkonventionell (I'm not there)
- dazu noch eine Dokumentation über die Urbanisierung Texas' (The Unforeseen)
- den Oscar-Gewinner (bester Film, No country for old men)
- und auch noch ein schräges peruanisches Dorfdrama. (Madeinusa)

Gebt mir so ein Kino in Wien und ich werde zur lebenslangen Cineastin!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich geb dir Votiv, Schikaneder, de France und Filmmuseum - sind halt nicht alle am selben Campus :-)

Stefan de KLBG

Magdalena hat gesagt…

Ja aber die sind nicht 10 Minuten von mir zuhaus entfernt! Und da kostet eine Karte auch nicht €2,50. Und so viel abwechslung gibts auch nicht... Aber Danke! Was ich wohl eher brauch, sind Leute, die mit dorthin gingen ;-)