Mehr Fotos, vor allem mehr Porträts, gibt es wie immer in meinem Webalbum!
Montag, 28. April 2008
Niagara Falls
Mehr Fotos, vor allem mehr Porträts, gibt es wie immer in meinem Webalbum!
Die Zeit fliegt!
Heute in drei Wochen geht mein Flieger nach Wien. Das fühlt sich schon sehr komisch an und, obwohl ich mich schon auf daheim freu, ist es ein wenig erschreckend wie die Zeit fliegt. Der schon früher von mir bejubelte fortschreitende Frühling ist auch nicht aufzuhalten und so kommt es, dass ich euch wieder ein paar Blumen schicken kann!









Ja, die Zeit fliegt wirklich! Aber - um eine kleine Prise Kitsch in dieses blog zu bringen - sie fliegt nirgends so schön als auf der Uhr des clocktowers am Cornell Campus.
Donnerstag, 24. April 2008
Maddie is feeling just ideal, ...., 'cause she's the birthday girl
Mit diesem Songzitat sag ich DANKE für alle, die meine erste wache Stunde als 22-jährige so schön gemacht haben! Danke Verena für eine geniale Karte, danke Oma für was du mir geschrieben hast, das mich, wie auch dein Brief, berührt hat! Danke Stefan, dass ich jetzt noch zwei weitere Sachen hab, auf die ich mich unglaublich in Wien freu! Danke Mama und Papa für das beste Geschenk, was man sich in der Ferne wünschen kann! Und auch allen anderen, die an mich gedacht haben, Danke!
Haha, I'm so happy happy happy! Und jetzt muss ich schnell in die Dusche sonst komm ich zu spät in die Vorlesung!

Ich, mit meinem out of bed hairstyle und mit ganz viel Freude über den Tag! Hab ich schon gesagt, dass die Sonne scheint?

Haha, I'm so happy happy happy! Und jetzt muss ich schnell in die Dusche sonst komm ich zu spät in die Vorlesung!
Dienstag, 22. April 2008
Thai bei Tyes - oder: thing to do #48
In einem früheren Eintrag hab bereits ich von einer Liste "100 things to do before you graduate from Cornell" gesprochen. Wie sich herausgestellt hat, gibt es eine noch mehr herausfordernde Liste, die 161 Dinge umfasst und sogar auf der Cornell Homepage zu finden ist!
Element #48 habe ich am vergangenen Samstag "erledigt": Have dinner at a professor's house.
Zu einem Professor nach Hause eingeladen zu werden, ist zwar auch hier etwas Besonderes, aber weit mehr verbreitet als in Österreich. (Passiert das überhaupt je einem Studenten im Grundstudium?) Am Sonntag zuvor hab ich bei mir im Haus House Fellow Prof. Bik Tye kennengelernt, einer aus China stammenden Molekularbiologin, die seit langem der Cornell Fakultät angehört. Über einem ausgedehnten Frühstück haben wir lange geplaudert und uns prächtig verstanden. Und darauf hin hat sie mich zu sich nach Haus eingeladen, mit drei anderen ehemaligen Becker House Bewohnern.
Es gab Thai Chicken. Bik hat selbst gekocht, und guuut! Ihr Mann ist ebenfalls ein Cornell Professor, Physiker, und ihre jüngere Tochter, eine Studentin im zweiten Jahr am MIT, war auch da. Auch wenn sich niemand der Gäste wirklich gut kannte, war's eine total entspannte Atmosphäre und wir hatten viel Spaß, wir warenn fast vier Stunden dort! Wir redeten natürlich viel über amerikanische Unis, aber auch über China: Zwei der anderen Studenten waren über springbreak mit dem Cornell Chor und dem Brahms Requiem auf China-Tour und hatten dementsprechend viel zu erzählen und die Tyes selbst freilich auch.
Die Offenheit der amerikanischen Professoren und die Selbstverständlichkeit, mit der sich hier die faculty (also alle akademischen Angestellten) ins studentische Unileben einbringt, ist etwas, das mir schon abgehen wird und wo Europa etwas lernen könnte. Auch das persönliche Engagement der Professoren dafür, dass "aus ihren Studenten was wird", beeindruckt mich immer wieder!
Und: Wir hatten sogar Wein! Auch wenn es für #49 der Liste nicht reichte: Get wasted at a professor's house.
Element #48 habe ich am vergangenen Samstag "erledigt": Have dinner at a professor's house.
Zu einem Professor nach Hause eingeladen zu werden, ist zwar auch hier etwas Besonderes, aber weit mehr verbreitet als in Österreich. (Passiert das überhaupt je einem Studenten im Grundstudium?) Am Sonntag zuvor hab ich bei mir im Haus House Fellow Prof. Bik Tye kennengelernt, einer aus China stammenden Molekularbiologin, die seit langem der Cornell Fakultät angehört. Über einem ausgedehnten Frühstück haben wir lange geplaudert und uns prächtig verstanden. Und darauf hin hat sie mich zu sich nach Haus eingeladen, mit drei anderen ehemaligen Becker House Bewohnern.
Es gab Thai Chicken. Bik hat selbst gekocht, und guuut! Ihr Mann ist ebenfalls ein Cornell Professor, Physiker, und ihre jüngere Tochter, eine Studentin im zweiten Jahr am MIT, war auch da. Auch wenn sich niemand der Gäste wirklich gut kannte, war's eine total entspannte Atmosphäre und wir hatten viel Spaß, wir warenn fast vier Stunden dort! Wir redeten natürlich viel über amerikanische Unis, aber auch über China: Zwei der anderen Studenten waren über springbreak mit dem Cornell Chor und dem Brahms Requiem auf China-Tour und hatten dementsprechend viel zu erzählen und die Tyes selbst freilich auch.
Die Offenheit der amerikanischen Professoren und die Selbstverständlichkeit, mit der sich hier die faculty (also alle akademischen Angestellten) ins studentische Unileben einbringt, ist etwas, das mir schon abgehen wird und wo Europa etwas lernen könnte. Auch das persönliche Engagement der Professoren dafür, dass "aus ihren Studenten was wird", beeindruckt mich immer wieder!
Und: Wir hatten sogar Wein! Auch wenn es für #49 der Liste nicht reichte: Get wasted at a professor's house.
Samstag, 19. April 2008
Es ist Juni!
Ithacas Wetter, schafft es immer wieder, mich zu beeindrucken. Diese Woche mit einer kräftigen Portion Hochsommer! Ich habe gestern dann gleich im Einkaufszentrum zugeschlagen und mir zwei paar Shorts und sieben Sommershirts gekauft. Der Dollarkurs rockt einfach! Vor zwei Tagen hab ich Kinsha ausgelacht, weil er sich trotz seinem dunklen Teint und trotz intakter Ozonschicht hier auf der Nordhalbkugel mit Sonnencreme eingeschmiert hat. Tja, jetzt bin ich diejenige, die einen Sonnenbrand hat... Aber der erste Sonnenbrand im Jahr hat ja immer einen schönen Beigeschmack, oder?
Die Temperatur von heute Nachmittag.
Der ??baum am Weg vom Becker House zum Hang. Welcher Blütenkenner kann mir sagen, um welche Art es sich hier handelt?


Die Wärme hat der Natur hier einen unglaublichen Schub versetzt, den Blüten konnten man richtig zusehen, als sie sich öffneten! Die sommerlichen Temperaturen und das allgmein spürbare Bewusstsein, dass nur mehr zwei Wochen Vorlesungen über sind, lassen mich dauernd glauben, dass Juni ist. Auf der slope zu liegen und an papers zu arbeiten ist einfach dem Gefühl nach so nah damit verwandt, Ende Juni in Wien auf der Türkenschanze für die letzten Prüfungen des Semesters zu lernen. Und dann komm ich drauf, dass ja erst April ist, und ich heuer auf diese Weise sogar zwei Uni-Lern-Sonnen-Graslieg-Junis erleben kann! Fabulous!
Die Temperatur von heute Nachmittag.Mittwoch, 16. April 2008
100 Einträge. Danke!
Ich hab gerade festgestellt, das mein letzter Eintrag zu den Winter Soldier Testimonies mein 100. Eintrag in diesem Blog ist. Ein großes Danke an alle, die nach wie vor fleißig immer wieder reinschauen und mir auch Feedback geben! Ohne zu wissen, dass tatsächlich einige Leute all das hier lesen, hätte ich wohl nie so viel zusammengebracht.
Lasst mich wissen, wenn ihr irgendein Thema vermisst, ich nehm gern Vorschläge an. Ich bin nach wie vor einen Beitrag zum Partyleben in Ithaca schuldig, darauf habe ich nicht vergessen.
Und ein Vorgeschmack darauf, was es sonst noch geben wird: mehr Bilder vom wunderschönen Frühling hier und von blühenden Bäumen, die's wie's aussieht kaum mehr erwarten können; etwas über meine Lieblingsvorlesung, vielleicht etwas zu meinen Plänen für die nähere Zukunft, etwas über den Campusfeiertag slope day, und viele andere Sachen, von denen ich mich selbst gerne überraschen lasse!
Lasst mich wissen, wenn ihr irgendein Thema vermisst, ich nehm gern Vorschläge an. Ich bin nach wie vor einen Beitrag zum Partyleben in Ithaca schuldig, darauf habe ich nicht vergessen.
Und ein Vorgeschmack darauf, was es sonst noch geben wird: mehr Bilder vom wunderschönen Frühling hier und von blühenden Bäumen, die's wie's aussieht kaum mehr erwarten können; etwas über meine Lieblingsvorlesung, vielleicht etwas zu meinen Plänen für die nähere Zukunft, etwas über den Campusfeiertag slope day, und viele andere Sachen, von denen ich mich selbst gerne überraschen lasse!
Zeugnisse aus dem Irak
In meinen 3 Monaten, die ich hier bin, habe ich viele Unterschiede zwischen Amerika und Europa kennengelernt, große und kleine. Wie alle Austauschstudenten werd ich wohl in meinen ersten Wochen zurück in Wien eine Menge erzählen über die Eigenheiten der Amerikaner, was den Umgang miteinander, den Umgang mit Bildung, Natur, Essen, Sport, Freizeit, Sprachen, Reisen und und und angeht.
Mit einem fundamentalen Unterschied, der zwischen den USA und Europa - oder zumindest Österreich - besteht, hab ich mich aber noch nicht auseinandergesetzt: Die Vereinigten Staaten sind eine kriegführende, aktive Militärmacht, die in den letzten Jahrzehnten offensive Operationen auf der ganzen Welt durchführte und durchführt. Jeder weiß, der Irakkrieg ist nicht vorbei, auf so gut wie jedem Titelblatt der New York Times gibt es eine Story über die letzte Offensive, den letzten Rückschlag, das letzte Attentat, die jüngsten Opfer dieses schon fünf Jahre, gut ein Viertel meines Lebens, andauernden Krieges. Aber abgesehen von den Zeitungsmeldungen, die ich ja auch von zuhause kenne, berührt das mein Leben hier am Campus, hier in den USA? Nein, zumindest nicht bis gestern.
Eine Kollegin vom Wandern hat mich mitgenommen zu den Winter Soldier: Iraq & Afghanistan testimonies. Der Begriff Winter Soldier wurde zur Zeit des Vietnamkriegs geprägt, als eine Menge von Kriegsveteranen begann, öffentlich zu erzählen, welch Unmenschlichkeit und Grausamkeiten sie erlebt und selbst begangen hatten. Die Zeugnisse dieser Soldaten schockierten, und sie wurden ein essentieller Teil der von Veteranen getragenen Antikriegsbewegung.
Mehr als dreißig Jahre später sind es heute die Veteranen aus dem Afghanistan- und Irakkrieg, die ihre persönliche Geschichte von Grausamkeit und Ungerechtigkeit zu erzählen haben. Auf der Website von Iraq Veterans Against the War finden sich Videos von den Augenzeugenberichten dieser Männer und Frauen. Gestern Abend wurden, organisiert vom Campus Antiwar Network, einige der Videos gezeigt und es waren auch vier Veteranen vor Ort, die ihre eigene Geschichte erzählten. Ich möchte nicht zuviel über diese Berichte schreiben, wen diese interessieren, dem sei die oben genannte Website empfohlen. Aber ich möchte ein paar Punkte nennen, warum mich persönlich der Abend gestern so bewegt hat.
Das Bild eines Veteranen, das ich bisher in meinem Kopf hatte, ist das eines alten, dicken Mann, dem ein Ohr oder ein Unterschenkel fehlt, der zu viel trinkt und sich immer aufs neue in den alten Geschichten von seinen abenteuerlichen und auch schrecklichen Erlebnissen verliert. Und gestern saßen mir da junge Männer gegenüber, sie sind etwa gleich alt wie ich, kleiden sich wie die anderen Burschen am Campus, verwenden die gleichen Redewendungen wie meine amerikanischen Klassenkollegen. Und diese Männer, die meine Brüder sein könnten, erzählen von ihrer Zeit im Krieg, davon wie sie Zivilisten getötet haben, wie sie schikaniert haben und schikaniert wurden, wie sie ein Alkoholproblem entwickelt haben und unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.
Sie machen einem klar, dass das, was von Abu Ghraib und anderen Skandalen im Irak an die Öffentlichkeit gelangt ist, nur die Spitze des Eisbergs ist; dass Unmenschlichkeit, Willkür und Hochmut das tägliche Leben der Besatzungssoldaten beherrschen. Natürlich, niemand ist so naiv zu glauben, Krieg könne etwas Sauberes und Korrektes sein. Aber dass diese Verachtung der Menschenwürde und -rechte nicht Folge der schwierigen Umstände, sondern Teil einer, wenn auch inoffiziellen, so doch durch die Hierarchie anerkannten und eingeforderten Agenda sind! Dass die Soldaten vor ihrem Einsatz lange Vorträge über die Genfer Konvention hören und dann, sobald sie das Land des Feindes betreten, diese Konventionen vom gesamten militärischen Apparat von oben bis unten je nach Bedarf einfach ignoriert werden!
Für mich hochinteressant war auch die Reaktion der freilich großteils amerikanischen Hörerschaft gestern Abend auf die Zeugnisse. Den Soldaten wurde von ganzem Herzen applaudiert, sie erhielten standing ovations, einmal applaudierte man sogar einer Videoaufzeichung. Meinem Eindruck nach ist sich ganz Amerika bewusst, dass der Irakkrieg eine Sackgasse ohne Gewinner ist. Und ich habe das Gefühl, dass sich die Leute danach sehnen, dass jemand so authentisch und legitim wie diese Veteranen dieses common sentiment in konkrete Worte fasst. Den am meisten überzeugten und sentimentalsten Beifall erhielt einer der anwesenden Veteranen, als er formulierte, dass die Amerikaner in ihrem Wesen und Mitgefühl dem irakischen Volk näher stünden als den wenigen Leuten und in den USA, die aus Eigensinn und Profitgier diesen Krieg gestiftet und prolongiert haben. Nicht zuletzt die schlechte Wirtschaftlage, die hier den Mittel- und Kleinbürger von nebenan (Stichwort homeowners) trifft, stellt eine persönlichen Betroffenheit her, wenn immer wieder vorgerechnet wird, wieviel Geld jeder Tag Krieg im Irak verschlingt.
Doch so etwas wie Aufbruchstimmung entsteht nicht. Ein Veteran meinte, man dürfe nicht hoffen, dass ein neuer Präsident aus den Reihen der Demokraten eine Kehrtwendung durchziehen werde. Auf die Frage ob ein sofortiger Truppenabzug nicht alles nur schlimmer machen würde, haben die Veteranen zwar eine überzeugende Antwort, aber Lösungen hat man nicht.
Viele im Publikum fragten, wie man die derzeitige Apathie in Amerika brechen könnte, und warum gibt es keine lebendige Friedensbewegung wie früher?
Am Ende kann der Winter Soldier die Apathie nicht durchdringen. Seine Geschichte muss erzählt werden. Er erzählt sie, um zu bewegen, doch sein Zeugnis wirkt mehr wie eine Kapitulation. Aber was kann er sonst tun?
Cornell Daily Sun Artikel zum selben Thema vom 14. März 2008
Mit einem fundamentalen Unterschied, der zwischen den USA und Europa - oder zumindest Österreich - besteht, hab ich mich aber noch nicht auseinandergesetzt: Die Vereinigten Staaten sind eine kriegführende, aktive Militärmacht, die in den letzten Jahrzehnten offensive Operationen auf der ganzen Welt durchführte und durchführt. Jeder weiß, der Irakkrieg ist nicht vorbei, auf so gut wie jedem Titelblatt der New York Times gibt es eine Story über die letzte Offensive, den letzten Rückschlag, das letzte Attentat, die jüngsten Opfer dieses schon fünf Jahre, gut ein Viertel meines Lebens, andauernden Krieges. Aber abgesehen von den Zeitungsmeldungen, die ich ja auch von zuhause kenne, berührt das mein Leben hier am Campus, hier in den USA? Nein, zumindest nicht bis gestern.
Eine Kollegin vom Wandern hat mich mitgenommen zu den Winter Soldier: Iraq & Afghanistan testimonies. Der Begriff Winter Soldier wurde zur Zeit des Vietnamkriegs geprägt, als eine Menge von Kriegsveteranen begann, öffentlich zu erzählen, welch Unmenschlichkeit und Grausamkeiten sie erlebt und selbst begangen hatten. Die Zeugnisse dieser Soldaten schockierten, und sie wurden ein essentieller Teil der von Veteranen getragenen Antikriegsbewegung.
Mehr als dreißig Jahre später sind es heute die Veteranen aus dem Afghanistan- und Irakkrieg, die ihre persönliche Geschichte von Grausamkeit und Ungerechtigkeit zu erzählen haben. Auf der Website von Iraq Veterans Against the War finden sich Videos von den Augenzeugenberichten dieser Männer und Frauen. Gestern Abend wurden, organisiert vom Campus Antiwar Network, einige der Videos gezeigt und es waren auch vier Veteranen vor Ort, die ihre eigene Geschichte erzählten. Ich möchte nicht zuviel über diese Berichte schreiben, wen diese interessieren, dem sei die oben genannte Website empfohlen. Aber ich möchte ein paar Punkte nennen, warum mich persönlich der Abend gestern so bewegt hat.
Das Bild eines Veteranen, das ich bisher in meinem Kopf hatte, ist das eines alten, dicken Mann, dem ein Ohr oder ein Unterschenkel fehlt, der zu viel trinkt und sich immer aufs neue in den alten Geschichten von seinen abenteuerlichen und auch schrecklichen Erlebnissen verliert. Und gestern saßen mir da junge Männer gegenüber, sie sind etwa gleich alt wie ich, kleiden sich wie die anderen Burschen am Campus, verwenden die gleichen Redewendungen wie meine amerikanischen Klassenkollegen. Und diese Männer, die meine Brüder sein könnten, erzählen von ihrer Zeit im Krieg, davon wie sie Zivilisten getötet haben, wie sie schikaniert haben und schikaniert wurden, wie sie ein Alkoholproblem entwickelt haben und unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.
Sie machen einem klar, dass das, was von Abu Ghraib und anderen Skandalen im Irak an die Öffentlichkeit gelangt ist, nur die Spitze des Eisbergs ist; dass Unmenschlichkeit, Willkür und Hochmut das tägliche Leben der Besatzungssoldaten beherrschen. Natürlich, niemand ist so naiv zu glauben, Krieg könne etwas Sauberes und Korrektes sein. Aber dass diese Verachtung der Menschenwürde und -rechte nicht Folge der schwierigen Umstände, sondern Teil einer, wenn auch inoffiziellen, so doch durch die Hierarchie anerkannten und eingeforderten Agenda sind! Dass die Soldaten vor ihrem Einsatz lange Vorträge über die Genfer Konvention hören und dann, sobald sie das Land des Feindes betreten, diese Konventionen vom gesamten militärischen Apparat von oben bis unten je nach Bedarf einfach ignoriert werden!
Für mich hochinteressant war auch die Reaktion der freilich großteils amerikanischen Hörerschaft gestern Abend auf die Zeugnisse. Den Soldaten wurde von ganzem Herzen applaudiert, sie erhielten standing ovations, einmal applaudierte man sogar einer Videoaufzeichung. Meinem Eindruck nach ist sich ganz Amerika bewusst, dass der Irakkrieg eine Sackgasse ohne Gewinner ist. Und ich habe das Gefühl, dass sich die Leute danach sehnen, dass jemand so authentisch und legitim wie diese Veteranen dieses common sentiment in konkrete Worte fasst. Den am meisten überzeugten und sentimentalsten Beifall erhielt einer der anwesenden Veteranen, als er formulierte, dass die Amerikaner in ihrem Wesen und Mitgefühl dem irakischen Volk näher stünden als den wenigen Leuten und in den USA, die aus Eigensinn und Profitgier diesen Krieg gestiftet und prolongiert haben. Nicht zuletzt die schlechte Wirtschaftlage, die hier den Mittel- und Kleinbürger von nebenan (Stichwort homeowners) trifft, stellt eine persönlichen Betroffenheit her, wenn immer wieder vorgerechnet wird, wieviel Geld jeder Tag Krieg im Irak verschlingt.
Doch so etwas wie Aufbruchstimmung entsteht nicht. Ein Veteran meinte, man dürfe nicht hoffen, dass ein neuer Präsident aus den Reihen der Demokraten eine Kehrtwendung durchziehen werde. Auf die Frage ob ein sofortiger Truppenabzug nicht alles nur schlimmer machen würde, haben die Veteranen zwar eine überzeugende Antwort, aber Lösungen hat man nicht.
Viele im Publikum fragten, wie man die derzeitige Apathie in Amerika brechen könnte, und warum gibt es keine lebendige Friedensbewegung wie früher?
Am Ende kann der Winter Soldier die Apathie nicht durchdringen. Seine Geschichte muss erzählt werden. Er erzählt sie, um zu bewegen, doch sein Zeugnis wirkt mehr wie eine Kapitulation. Aber was kann er sonst tun?
Cornell Daily Sun Artikel zum selben Thema vom 14. März 2008
Montag, 14. April 2008
Okkervil River and the New Pornographers
Nein, Okkervil River ist nicht ein weiterer Fluss mit Schlucht und Wasserfall. Und ich bin auch keinen Pornographen begegnet. Aber eine erzählenswerte Geschichte ist es trotzdem und ich muss ein wenig ausholen, um meine besondere Freude zu erklären. Hier also eine kleine Chronologie der Ereignisse:
17. Februar: Meine Festplatte stirbt.
Die darauffolgenden 4 Wochen: Mein Appetit nach Musik wird ausschließlich von ein paar Alben auf meinem MP3-Player versorgt.
22. März: Mein Computer geht wieder, meine Daten und meine geliebte Musik sind natürlich weg.
9. April: Mir staubt meine Musik vom MP3 Player schon bei den Ohren raus. Ich denke nach, welche Alben meiner Sammlung ich denn gerne hören würde und da fällt mir das Album Challengers von den New Pornographers ein, einer Indie Rock Band aus Kanada. Ich lad's mir runter.
10. April: Ich höre Challengers auf und ab und freue mich des Lebens.
11. April: Ich geh zum Mittagessen in meine dining hall. Und welche Musik ertönt aus den Lautsprechern? Challengers! Das Album in voller Länge :-)
12. April: Noortje ist am Abend bei mir zuhaus, bevor wir uns auf den Weg zu einer Beach Party machen. Ich habe im Hintergrund die New Pornographers Platte laufen und erzähle ihr von dem Zufall in der dining hall. Sie fragt zweimal nach dem Namen der Band und sagt sie hat gesehen, dass die irgendwann jetzt in Ithaca spielen und dass es über Cornell Karten gibt.
WAS? Die? In Klein-Ithaca? Jetzt? Woah. Wir gehen auf die Cornellhomepage und auf den Eventkalender. Tatsächlich: Ithaca State Theatre, April 13, 8pm. Das ist ja morgen! Aber schnell kommt die Enttäuschung: Concert sold out. Tja. Wär ja auch zu schön gewesen.
13. April: Unwillig, den Sonntagabend dem Studium zu widmen, gehen Noortje und ich zum State Theatre, ohne Tickets, aber dafür mit einem Plan B in der Tasche, wenn's nicht klappt, wird's halt wieder mal ein Glas Wein irgendwo. Doch: Plan B bleibt in der Tasche, nach fünf Minuten am Gehsteig haben wir zwei Tickets in der Hand!
Es war ein feines Konzert, vor allem der opening act aus Austin, Texas, die Band mit dem Namen Okkervil River, die ich bis jetzt nur dem Namen nach kannte, hat mir sehr gut gefallen. Deren Vorstellung fiel kaum kürzer aus als das der New Pornographers; es war eher ein Doppelkonzert.
Okkervil River.
The New Pornographers.
Eine interessante Nebenerfahrung war jene der Atmosphäre eines amerikanischen Kleinstadtkonzerts. Das State Theatre ist eine Theaterbühne die einen großen Zuschauerraum mit roten Kunstsamtsesseln hat und die wie eine Mischung aus Mittelalterburg, Renaissancepalast und Akropolis aussieht; Das Material der Wände ist aber mehr Styropor/Karton als Marmor. Und - man kann ja nicht die unter 21-Jährigen ausschließen - statt Bier und Gin Tonic werden hier Soda und Cookies verkauft. Am Anfang des Konzerts sind alle auf ihren Sitzplätzen gesessen. Na wunderbar. 1600 nüchterne Leute in Sofasesseln, das rockt.
Aber dann: In der Mitte des ersten Songs steht die Hälfte auf und strömt entlang der Gänge nach vorne, wir natürlich mit. Später macht dann sogar in der Reihe vor uns ein Joint die Runde, in der Pappburgarena.
Insgesamt war die Stimmung dann ganz nett.
Und noch eine letzte Beobachtung: Im Gegensatz zum europäischen Indie-Publikum sind sich die Amerikaner offenbar nicht zu cool, um im Takt zu klatschen. Und sie können's sogar. Vielleicht tun sie's ja deswegen. Oder vielleicht können sie's, weil sie's tun. Wie auch immer.
17. Februar: Meine Festplatte stirbt.
Die darauffolgenden 4 Wochen: Mein Appetit nach Musik wird ausschließlich von ein paar Alben auf meinem MP3-Player versorgt.
22. März: Mein Computer geht wieder, meine Daten und meine geliebte Musik sind natürlich weg.
9. April: Mir staubt meine Musik vom MP3 Player schon bei den Ohren raus. Ich denke nach, welche Alben meiner Sammlung ich denn gerne hören würde und da fällt mir das Album Challengers von den New Pornographers ein, einer Indie Rock Band aus Kanada. Ich lad's mir runter.
10. April: Ich höre Challengers auf und ab und freue mich des Lebens.
11. April: Ich geh zum Mittagessen in meine dining hall. Und welche Musik ertönt aus den Lautsprechern? Challengers! Das Album in voller Länge :-)
12. April: Noortje ist am Abend bei mir zuhaus, bevor wir uns auf den Weg zu einer Beach Party machen. Ich habe im Hintergrund die New Pornographers Platte laufen und erzähle ihr von dem Zufall in der dining hall. Sie fragt zweimal nach dem Namen der Band und sagt sie hat gesehen, dass die irgendwann jetzt in Ithaca spielen und dass es über Cornell Karten gibt.
WAS? Die? In Klein-Ithaca? Jetzt? Woah. Wir gehen auf die Cornellhomepage und auf den Eventkalender. Tatsächlich: Ithaca State Theatre, April 13, 8pm. Das ist ja morgen! Aber schnell kommt die Enttäuschung: Concert sold out. Tja. Wär ja auch zu schön gewesen.
13. April: Unwillig, den Sonntagabend dem Studium zu widmen, gehen Noortje und ich zum State Theatre, ohne Tickets, aber dafür mit einem Plan B in der Tasche, wenn's nicht klappt, wird's halt wieder mal ein Glas Wein irgendwo. Doch: Plan B bleibt in der Tasche, nach fünf Minuten am Gehsteig haben wir zwei Tickets in der Hand!
Es war ein feines Konzert, vor allem der opening act aus Austin, Texas, die Band mit dem Namen Okkervil River, die ich bis jetzt nur dem Namen nach kannte, hat mir sehr gut gefallen. Deren Vorstellung fiel kaum kürzer aus als das der New Pornographers; es war eher ein Doppelkonzert.
Eine interessante Nebenerfahrung war jene der Atmosphäre eines amerikanischen Kleinstadtkonzerts. Das State Theatre ist eine Theaterbühne die einen großen Zuschauerraum mit roten Kunstsamtsesseln hat und die wie eine Mischung aus Mittelalterburg, Renaissancepalast und Akropolis aussieht; Das Material der Wände ist aber mehr Styropor/Karton als Marmor. Und - man kann ja nicht die unter 21-Jährigen ausschließen - statt Bier und Gin Tonic werden hier Soda und Cookies verkauft. Am Anfang des Konzerts sind alle auf ihren Sitzplätzen gesessen. Na wunderbar. 1600 nüchterne Leute in Sofasesseln, das rockt.
Aber dann: In der Mitte des ersten Songs steht die Hälfte auf und strömt entlang der Gänge nach vorne, wir natürlich mit. Später macht dann sogar in der Reihe vor uns ein Joint die Runde, in der Pappburgarena.
Insgesamt war die Stimmung dann ganz nett.
Und noch eine letzte Beobachtung: Im Gegensatz zum europäischen Indie-Publikum sind sich die Amerikaner offenbar nicht zu cool, um im Takt zu klatschen. Und sie können's sogar. Vielleicht tun sie's ja deswegen. Oder vielleicht können sie's, weil sie's tun. Wie auch immer.
161 Stufen, 21 Glocken
161 Stufen wollen erklommen werden, bis man von der Aussicht belohnt wird, die der McGraw Tower bietet. Heute haben wir's endlich geschafft (uns dafür zu treffen, nicht den Aufstieg)! Und wir wurden belohnt, reichlich!
West Campus. Man sieht natürlich auch mein Fenster! (Westen)
Cayuga Lake und eine saftig grüne libe slope. (Nordwest)
Das Arts Quad, einem Sonntag Nachmittag entsprechend eher spärlich begangen. (Norden)
Ho Plaza. In dem Grashügel links verbirgt sich übrigens der Cornell Store. (Süden)
Tower Road, mein nunmehr wieder zu Fuß zurückzulegender Weg ins Labor. (Osten)
Der Platz zwischen Uris Library (links) und Olin Library (rechts).
Williard Straight Hall, wo mein Lieblingskino untergebracht ist. (Südwest)
Moi.
Marija.
Der Uhrturm ist nicht ständig für Besucher geöffnet, aber mindestens dreimal täglich, denn dann wird in der Türmerstube aufgespielt! Die Cornell Chimes, der "Herzschlag des Campuslebens" ertönen, von den Chimesmasters und ihren Lehrlingen händisch (und füßisch) gespielt.
Die "Klaviatur" ist über ein Metallgestänge mit 21 Glocken verbunden. Das Glockenwerk ist damit eines der größten seiner Art weltweit. Die Verbindung zwischen Hebeln und Glocken ist direkt, für jeden Ton gibt es ein Hand- und ein Fußpedal. Ein guter Glockenspieler kann damit also jede beliebige Folge von Dreitonakkorden spielen. Die einfache Mechanik ohne jede elektrische Verstärkung lässt einen gewissen dynamischen Spielraum zu. Die größte Herausforderung and das spielerische Können, besonders beim allmorgendlich gespielten Rag, stellt jedoch das Tempo dar.
Nach dem Konzert wurde die Glöcknerin gefragt, ob man auch Akkorde mit einer Hand und zwei Füßen spielen kann...- Well, you could jump, but that'd be really loud!
Das Repertoire umfasst natürlich auch die Alma Mater (die Cornell-Hymne), den Cornell Evening Song, der stark an Oh Tannenbaum erinnert, und alles mögliche von den Beatles bis zu Schubert.
Die Glöckner von McGraw haben sogar eine eigene Turmtoilette, die dezent italienisch beschriftet ist.
Wer mehr von den Glocken hören will, der kann sich die Website der Cornell Chimes anschauen!
Der Uhrturm ist nicht ständig für Besucher geöffnet, aber mindestens dreimal täglich, denn dann wird in der Türmerstube aufgespielt! Die Cornell Chimes, der "Herzschlag des Campuslebens" ertönen, von den Chimesmasters und ihren Lehrlingen händisch (und füßisch) gespielt.
Wer mehr von den Glocken hören will, der kann sich die Website der Cornell Chimes anschauen!
Sonntag, 13. April 2008
Ithaca is gorges
Wandern in und um Ithaca, Teil 3: Die Stadt entkommt ihrem Werbespruch Ithaca is gorges nicht. Auch diesmal wanderten wir durch eine Schlucht entlang eines Flusses und sahen eine Menge Wasserfälle. Und - diesmal sogar entgegen einer andersartiger Wettervorhersage - wir hatten wieder Sonne!
Das Ithaca Reservoir, ein kleiner See, der vom Six Mile Creek durchflossen wird und der von einer 200 Jahre alten Staumauer eingedämmt ist, wo heute der Strom für Ithacas Wasseraufbereitungsanlage gewonnen wird. Der Six Mile Creek liefert aber nicht nur den Strom, sondern auch das Wasser.



Kleine Blümchen überall: Gorgeous!

Ein Schläfchen in der Sonne für Agnes.
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