Donnerstag, 28. Februar 2008

Am Sprung nach Boston

Nach einer sehr anstrengenden Woche mit Hoch und Tiefs werde ich morgen nach meinem Labor und nach meiner discussion section endlich nach Boston fahren! Gemeinsam mit Noortje, Emmy und Marlies miete ich ein Auto und wir machen uns in die wohl europaeischste Stadt der USA auf. Ich werde euch freilich berichten, meine Kamera ist natuerlich auch mit dabei und ich hoffe es gibt gutes (Foto-)Wetter.

In Ithaca haben die letzten drei Tagen eine ordentliche Menge Schnee gebracht. Dazu gabs heute wunderbaren Sonnenschein. Am Central Campus steht ein riesiger Schneemann, der Pfeife raucht, und angeblich wurden auch schon einige snow penisses gesichtet, deren Bau (erection) hier angeblich sehr populaer ist. Vielleicht kann ich mal einen fuer euch fotografieren!

Heute Abend, als ich um dreiviertel sieben vom Labor nach Haus gekommen bin, hat sich mir eine ganz eigenartige Stimmung praesentiert. Die Sonne war gerade erst untergangen und der Himmel ging am Horizont von Dunkelblau ueber Tuerkis in ein sattes dunkles Rosa ueber. Und das um diese Zeit! Ithaca liegt glaub ich etwas suedlicher als Wien, noch dazu innerhalb der Zeitzone offenbar relativ weit westlich, ausserdem ist es schon Ende Februar, das macht die Tage bedeutend laenger. Ich glaube nicht, dass ich je zuvor einen so "sommerlichen" Abendhimmel ueber so einer schneebedeckten Landschaft gesehen hab, es war wirklich aussergewoehnlich.
In nicht viel mehr als einer Woche kommt dann die Zeitumstellung und die Sonne geht noch spaeter unter. Ich freu mich schon jetzt auf winterliche, sonnengefaerbte Abendstimmungen!

Wie Waesche weich wird

Gestern abend hab ich Waesche gewaschen, zum vierten oder fuenften Mal, seit ich hier bin. Allerdings bin ich erst dieses Mal draufgekommen, warum meine Waesche gar so weich ist. Ich habe konsequent Weichspueler statt Waschmittel verwendet. Auf der schoenen babyblauen Flasche hab ich das kleingedruckte fabric softener uebersehen. Und im Trockner dann freilich ganz normal noch ein Weichmachertuch dazugegeben!
Interessanterweise sind auch so Flecken rausgegangen und die Waesche riecht so unglaublich frisch und ist so unglaublich weich; Immer wenn ich sie aus dem Trockner nehme, habe ich das spontane Beduerfnis, mich in diese Waesche einzugraben, so angenehm ist sie. Ich glaube ich werde dabei bleiben, wozu Waschmittel!?

Beinahe auffaellig: Das Talent zum etwas anderen Waeschewaschen duerfte in der Familie liegen. Ich denke da etwa an meinen Onkel, der Waesche im Geschirrspueler wusch. =)

Dienstag, 26. Februar 2008

Frust!

Mein Computer hat sich erwartungsgemaess nicht selbst repariert. Er ist jetzt schon ueber eine Woche tot und es gibt keine Aussicht darauf, dass er bald wieder zum Leben erweckt werden wird. Der Auftritt des Supports von Dell USA und Dell Oesterreich hat eindrucksvoll bewiesen, wie unbrauchbar standardisierter, Datenbank- und Ticket-basierter Kundenservice sein kann. Ich habe Stunden in telefonischen Warteschleifen verbracht, mich in Auswahlnetzwerken ("wenn Sie in sich in Nordamerika befinden, druecken Sie 1...") verheddert, in denen ich dann nach 15 Minuten Labyrinthieren vor drei Optionen gestellt wurde, mit denen ich allesamt nichts anfangen konnte und auflegen musste. Ich habe Telefonnummer bekommen, die es nicht gibt, Ticket-, Fall- und Dispatchnummern zugewiesen bekommen, die allesamt vom europaeischen Support nicht akzeptiert werden wollen.

Meine Mama in Wien hat mir wertvolle Hilfe geliefert (Danke, Danke, Danke!), hat sich die gleichen Warteschleifen auf Deutsch angehoert, und hat unter anderem in Erfahrung gebracht, dass bei Dell Oesterreich niemand Englisch spricht.
Langsam finde ich mich damit ab, dass Dell mir nicht helfen wird. Heute hab ich dann also bei ithaca computer repair angerufen, von deren Website hab ich ja bereits erzaehlt. Aber ithaca computer repair gibt es offenbar nicht, die Nummer war tot. Meine derzeit letzten zwei Hoffnungen liegen einerseits in einem Elektronikladen in der Pyramid Mall bei Ithaca, wo es angeblich auch einen Hardwaresupport gibt, und andererseits bei einem weiter Versuch, Dell Oesterreich mittels einer diesmal schriftlichen Anfrage ein Zustaendigkeitsgefuehl aufzudraengen.
Ich will doch einfach nur wieder meinen Laptop haben! Ich will Umlaute schreiben, Skypen, Fotos herzeigen und sinnlos im Internet surfen. Ich moechte meine Musiksammlung wieder haben, ich moechte Fotos mit Picasa bearbeiten, bevor ich sie hochlade, und ich moechte im Zimmer stundenlang lernen koennen! Ja, lernen!! Ich moechte meinen Spam nicht haendisch loeschen muessen und ich moechte wieder einen Platz haben, wo ich meine Arbeiten dauerhaft speichern kann.

Die letzten Tage ist's bei mir im Labor auch alles andere als gut gelaufen, ich hatte zum zweiten Mal in Folge in meiner Zellkultur eine bakterielle Kontamination und fange jetzt zum dritten Mal mit dem gleichen Experiment an, welches zudem erst das Vorexperiment zu meiner eigentlichen Arbeit ist. Fuer meine CHO-Zellen war ich am Wochenende zu allen unmoeglichen Zeiten im Labor und es hat mich richtig angekotzt. Heute war ich eine Haaresbreite davon entfernt, meine Arbeit im Labor zu beenden und den research zu droppen. Ich habe keine Ahnung, wie es Prof. March, mein supervisor geschafft hat, mich davon abzuhalten. Ich bin in sein Buero gegangen, hab ihm erzaehlt wie ungerecht das Leben zu mir ist und wollte darauf hinaus, ihm mitzuteilen, dass ich aufhoeren will.
March hat mir ganz einfach gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, dann hat er mir noch gesagt, dass ich mehr mit dem Bus fahren soll, wo ich mir ein Fahrrad besorgen koennte und das wars. Dann hat er mich noch wie ein Karnickel angeschaut und auf einmal war ich wie verwandelt, hab mich so gefreut, hier in diesem Labor ganz laessig vor mich hinarbeiten zu koennen, ohne viel Ruecksicht auf experimentellen Erfolg und war ganz gluecklich! Wie hat er das gemacht? Was hat er mit mir gemacht? Oder bin ich nach dem ganzen Laptop- und Laborstress einfach ein kleines, leicht psychologisch zu manipulierendes Etwas geworden?

Es ist mir egal, ich bin froh, meine Zuversicht nach den letzten paar Tagen wieder ein Wenig zurueckgewonnen zu haben. Wohl gerade rechtzeitig, denn wir sind mitten in der assignments und prelim season, und ich habe mir gerade das kommende Wochenende, das dem Kalender nach ein perfektes Lernwochenende waere, ausgesucht, um nach Boston zu fahren. Mal sehen.

Sonntag, 24. Februar 2008

Odyssee auf den Griechenspitz

Gestern war ich schifahren! Um 85$ bekamen wir von der ISSO (International Students and Scholars Office) einen Transfer zum 30km entfernten Greek Peak, und vor Ort eine Tageskarte und Leihski. Marija und ich waren in dem ISSO-Bus die einzigen zwei, die in ihrem Leben schon einmal auf Ski gestanden hatten, die restlichen Plaetze waren von blutigen Anfaengern besetzt, allen voran viele Chinesen und dann noch ein paar Inder; und ein Platz gehoerte auch Kinsha, den wir zu diesem Abenteuer ueberredet hatten.
Greak Peak darf man sich nicht als einen Berg vorstellen - von den bescheidenen 300m Hoehendifferenz wussten wir bereits - aber Greak Peak ist nicht einmal ein Bergerl. Das Schigebiet besteht vielmehr aus einer Huegelkette, auf die alle paar hundert Meter ein altmodischer Zweiersessellift hinauffaehrt. Aber immerhin, hier hat man sogar schwarze Pisten und die grossen Namen verleihen einem vor den Abfahrten noch zusaetzlich Respekt, der somit sogar ein Kleinwenig die Nachweisgrenze ueberschreitet:

Schwierige Abfahrt Nummer 1.

Schwierige Abfahrt Nummer 2. Die zweiminuetige Abfahrt war aber keineswegs eine Odyssee, schon eher der Weg hinauf mit dem lahmen Sessellift.

Sehr schwierige Abfahrt.

Marija und ich als Experten haben natuerlich den Olymp(ian) bezwungen.

Und auch Kinsha zeigt sich als Meister der Selbstueberwindung. Sein erster Schitag hat ihm laut eigenen Angaben sehr gut gefallen!

Und ich hatte auch meinen Spass!

Samstag, 23. Februar 2008

Ein Deutsches Requiem

[1]Heute hab ich zum ersten Mal Cornells grossen Konzertsaal besucht, Bailey Hall. Zufaellig bin ich gestern auf die Ankuendigung des heutigen Konzerts gestossen: Johannes Brahms' Ein Deutsches Requiem, aufgefuehrt vom Cornell University Choir & Glee Club. Eintritt 15$, fuer Studenten guenstige 5$. Die Zeit war zwar zu knapp, um noch eine Begleitung zu finden, aber dieses Stueck, das seit noch nicht allzu langer zu meinen Lieblingswerken zaehlt, hoer ich mir auch gern allein an. Und ich wurde nicht enttaeuscht:

Ein wirklich grosser Chor, an die 120 Leute, hauptsaechlich Studenten, ein paar Gesichter kannte ich fluechtig, und ein verhaeltnismaessig eher kleines Orchester haben die 1324 Zuhoerer fassende Bailey Hall zum Klingen gebracht. Ich hab heute wieder einmal festgestellt, dass ein klassisches Stueck, mit jedem Mal mehr, das ich es hoere, stark an Kraft und Wirkung auf mich gewinnt. Eher zufaellig bin ich innerhalb weniger Monate jetzt zweimal in den Genuss des Requiems von Brahms im Konzertsaal gekommen.
Der Cornell Chor und das Orchester geben in dieser Zusammensetzung pro Jahr nur eine einzige Auffuehrung - ich bin ein Glueckspilz, wirklich! Es war auch nochmal mehr etwas Besonderes fuer mich, als eine der wohl wenigen Personen dort zu sitzen, fuer die die beruehrenden Bibelstellen im Deutschen Requiem in ihrer Muttersprache erklingen - anders als im Wiener Konzerthaus. Der erste und zweite Satz waren wirklich sehr schoen, und dass im Fugenteil des dritten Satzes der Dirigent Orchester und Chor nicht ganz zusammenhalten konnte, wurde ihm nach dem schoenen Schlusssatz auch verziehen.

Ein weiterer Unterschied zu Auffuehrungen in den grossen Wiener Musikhaeusern lag darin, dass man richtig gespuert hat, wie viele im Publikum mit bestimmten Personen auf der Buehne mitgefiebert haben: der Saal war wohl voll mit Eltern, Studienkollegen und Freunden. Nach dem Konzert wurde aus einem mehr oder weniger anonymen Applaus so ein sehr persoenliches Zujubeln. Und so hab ich wieder einmal auf eine neue Art gesehen, wie die Leute hier am Campus zusammenleben und -halten. Schoen!

PS: Eine Anmerkung fuer Dominik in Shanghai - Zwischen 18. und 22. Maerz fuehren der Cornell University Choir & Glee Club im Rahmen ihrer Chinatournee das Requiem wieder auf, an der Weiyu High School, der Shanghai Armerican School und der Fudan University. Vielleicht hast ja Interesse daran!

[1] Das Foto zeigt natuerlich nicht das heutige Konzert, sondern eine andere Auffuehrung in Bailey Hall. Ich moechte damit nur ein bisschen die Textlastigkeit meines blogs aufwiegen!

Freitag, 22. Februar 2008

USA Today

Heute zum Fruehstueck hab ich einmal eine andere Lektuere an Stelle der New York Times oder des Cornell Daily Sun probiert: USA Today. Die deutsche Wikipedia bezeichnet dieses Blatt als "konservative Boulevardzeitung". Haben wir es hier mit einer Yankee-Krone zu tun? Ich stelle die Zeitung auf die Probe und blaettere durch, zwei Texte springen mir ins Auge.

Da waere einmal ein Leserbrief zum Amoklauf an der Northern Illinois University:

"Allow guns on campus I read USA TODAY's story n the terrible shooting at Northern Illinois University. The best way to prevent future shootings is to allow people to carry concealed weapons on campus. I know for a lot of liberal thinkers this is akin to blasphemy, but the reason these shooters are targeting universities is that they know they won't be met with resistance and can do the most damage on campuses. I've been licensed to carry for a few years now. While I accept that carrying a gun is a great responsibility, I also believe it is necessary to protect my family. I'm not going to allow someone who decides to stop taking medications and then goes on a shooting rampage to kill my wife and not at least try to defend her. I'm thankful that the state I live in allows its citizens the chance to defend themselves and our families against evil like this."
- Bryan Toye from Keyser, West Virginia.

Ja, *ganz bestimmt* waehlen die Amoklaeufer ihre eigene Schule oder ihr eigenes College aus, weil das der einzige Ort ist, wo man auf keinen bewaffneten Widerstand trifft. Dass vielleicht ein ueber lange Zeit extrem gestoertes Verhaeltnis zur eigenen Bildungsanstalt entstanden ist, das jene zum Ziel zu solcher Amoklaeufe werden laesst, bedenkt Mister Toye offenbar nicht. Natuerlich lief es mir kalt den Ruecken hinunter, als ich von den shootings in Illinois las. Aber sicherer fuehle ich mich trotzdem hier auf einem Campus mit Waffenverbot, als auf Toye's theoretischer Traumuni, auf der jeder zweite Student eine Waffe mit in die Vorlesung nimmt.

Und dann waere da noch ein richtig amuesanter Artikel ueber die Frage, wer nach Fidel Castros Abdanken denn jetzt der neue Lieblingsfeind der Amerikaner werden will.

Wie auf den Karten eines Kinder-Quartettspiels werden hier Kurzportraits von den Boesen Buben a la Hugo Chaves und Kim Jong Il gebracht, und Schluesselcharakteristika der Feindesfuehrer aufgelistet. Evo Morales (Bolivien), Mahmoud Ahmadinedjad (Iran) oder Robert Mugabe (Zimbabwe) werden hier mit den oben genannten in einen Topf geworfen, lustig geschuettelt und dann schaut man wie bei der Lottoziehung, wer am Ende aus dem Topf herausplumpst. Ohne eine eindeutige Conclusio zu nennen macht Ahmadinedjad auf die USA Today-Journalisten offenbar den gefaehrlichsten eindruck. Wunderbar, wenn dies das Niveau ist, auf dem sich die groesste ueberregionale Zeitung Amerikas mit internationalen Spannungen auseinandersetzt...

Ich werde mir morgen wieder eine New York Times nehmen.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Auf und ab

Das Leben am Campus ist hart ohne Computer. Aber es hat auch gewisse Vorzuege: Anstatt mich im Internet in halbinteressanten Seiten zu verlieren, verbringe ich den Abend mit Kollegen plaudernd; anstatt um 7h frueh aufzustehen, um vor der Vorlesung noch meine mails checken zu koennen, schlafe ich eine halbe Stunde laenger; anstatt im Internet nachzusehen, wieviel Grad es draussen hat, oeffne ich meine Fensterrollo und uebe mich darin, vom Aussehen des Schnees und/oder Matsches Schluesse auf angebrachte Bekleidung zu schliessen.
Das war allerdings nicht immer erfolgreich: Gestern habe ich aus dem drastischen Schneerueckgang geschlossen, dass es warm ist- tatsaechlich duerfte der Schnee eher von einem eiskalten Wind verweht worden sein. Da war mir in meinem kurzen Jackerl dann etwas kalt.

Aber ich trag's insgesamt mit Fassung und uebe mich in Geduld und Gelassenheit. Ich kann zur Zeit noch nicht sagen, wann mein Computer wieder laufen wird und ob die Daten auf meiner Festplatte wiederhergestellt werden koennen, es ist insgesamt eine Berg- und Talfahrt:
Gestern Nachmittag sagt mir eine amerikanische Dell-Technikerin, dass sie Informationen fuer Dell Oesterreich hinterlegt hat, damit mir die eine neue Harddisk und ein neues Motherboard schicken. Heute in der Frueh erfahre ich von Dell Oesterreich, dass sie auf derartige Informationen von Dell USA gar nicht zugreifen koennen. Am Vormittag bringe ich Dell USA dazu, an Dell Oesterreich ein e-mail zu schicken, man moege mir doch bitte helfen, gleichzeitig werde ich darauf vertroestet, dass ich wahrscheinlich erst Anfang naechster Woche von Dell Oesterreich hoeren werde.
Ein paar Stunden spaeter erhalte ich einen Anruf von Dell USA, wann ich denn morgen zuhause bin, damit mir jemand die neuen Teile in den Laptop einbauen kann. What the...!?! Ich dachte die Teile muessten erst aus Oesterreich kommen, schliesslich moecht ich auf meiner neuen harddisk ja ein deutsches Windows haben; Diese Teile koennen doch nicht innerhalb von 24h von Oesterreich nach Ithaca fliegen? Ach, die werden wahrscheinlich ueber Nacht ankommen, sagt mir der Techniker, wobei ich nicht weiss, ob er sich auf europaeische Ersatzteile bezieht.

Ich bin ja mal gespannt.

Ansonsten gibt es nur kleine Neuigkeiten: Meine erste Pruefung war wie erwartet sehr schwer, aber ich hab mich tapfer geschlagen, ich werd wohl hoffentlich durch sein. Des Weiteren hab ich heute Prof. Spanswick zu einem Abendessen eingeladen. Bei mir im Carl Becker House gibt es einmal jaehrlich die Veranstaltung Invite a Professor for Dinner, und wen anderen koennte ich da einladen als den charmanten alten Englaender, der immer nette Geschichte erzaehlt. Ich lass mich ueberraschen, ob er tatsaechlich kommt, vielleicht bringt er sogar seine Frau mit, eine Schottin aus dem Bezirk Fife![1]

[1] Das Rufzeichen habe ich fuer Vicky gesetzt, falls du diesen Eintrag liest.

Dienstag, 19. Februar 2008

Computerexperten gefordert

Liebe Leute, es tut mir leid, dass ich schon seit drei Tagen hier nichts mehr geschrieben hab. Der Grund dafuer: Mein Laptop ist defekt. Dafuer bin allein ich verantwortlich, denn ich hab am Sonntag ca. 100mL Wasser auf ihn geschuettet. Ich hab ihn dann sofort abgewischt und ordentlich gefoehnt und - siehe da! - er lief ganz normal. Ein paar Stunden spaeter hab ich ihn dann wieder eingeschalten und auf einmal hat er zum spinnen angefangen. Ich hab ihn darauf hin zwei Tage lang trocknen lassen und es jetzt wieder versucht, aber jetzt ist es fix: Er funktioniert nicht.

Ich habe in den letzten 48h die guten und die schlechten Seiten eines Lebens ohne eigenen Computer kennengelernt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich doch moeglichst bald wieder einen Laptop in meinem Leben haben moechte; Und sei's nur darum, dass ich euch wieder blogeintraege mit Umlauten schreiben kann, welche auf der amerikanischen Tastatur in diesem Computerkammerl nicht zu finden sind.

Ich waere ueberaus dankbar (und noch dazu mehr als willig, dem Geber eines rettenden Hinweises zum Dank einen Cornell-Schluesselanhaenger oder aehnliches mitzubringen), wenn mir jemand von euch bei folgender Frage helfen kann:

CPU und RAM duerften in Ordnung sein, es hapert offenbar an der Verbindung zwischen Festplatte und Rechner, oder vielleicht ist sogar die Festplatte an sich hin. Die Fehlermeldung, die ich bekomme, wenn ich den Computer einschalte lautet in etwa "no hard disk drive found. this issue could be resolved by reseating the drive." Soll ich vielleicht probieren, die Harddisk rauszuschrauben und neu einzusetzen? Oder soll ich mich gleich an einen Computerfachmann wenden? Findet ihr, dass die Seite ithacacomputerrepair.com vertrauenswuerdig aussieht und die Preise ok sind? Hat jemand sonst noch einen hilfreichen Kommentar abzugeben oder von einer eigenen Erfahrung zu berichten?

Ich hab mein blog stets als Seite gesehen, auf welcher der Informationsfluss immer von mir ausgehend in den internetten Aether gerichtet ist. Aber vielleicht kann ich das ganze ja diesmal umkehren und ueber mein blog selbst eine wichtige Information erlangen!

Zum Schluss noch ein kurzes Update zu meinem Leben hier: Das Wetter spinnt, das Wochenende war maessig spannend, aber mir gehts eigentlich ganz gut und ich bin froh, weil ich langsam eine konkrete Idee hab, was ich zu spring break machen will. Gestern war ich das erste Mal laenger im Labor und hab allein gearbeitet und nachgedacht, ich bin sogar noch mal um acht am Abend ins Labor gegangen, um meine Zellen mit frischem Medium zu versorgen. Morgen hab ich meine erste Pruefung, die ziemlich schwer werden wird, ich bin ja mal gespannt.

Ich hoff, euch bald wieder oefter, ausfuehrlicher und mit Umlauten und scharfen S schreiben zu koennen und wuensch euch alles Liebe aus Ithaca!

Samstag, 16. Februar 2008

Friedhofsfotos

Heute hatten wir endlich wieder einen von Anfang bis Ende sonnigen Tag! Das ist bemerkenswert, weil es die letzten Tage am Campus meistens so ausgesehen hat (von meinem Fenster aus fotografiert):

Eine Stunde vor Sonnenuntergang hab ich dann meine Kamera genommen und bin zum nahen Friedhof gegangen. Die Fotos von dort und vom Weg dorthin findet ihr hier, ein paar mehr auch noch in meinem Webalbum.

Mein Haus!

Eine der Baustellen für die neuen West Campus-Häuser. Wer als erster auf dem Foto den Beweis dafür entdeckt, dass amerikanische Bauarbeiter fröhliche Leute sind, dem bringe ich einen Cornell-Schlüsselanhänger mit! Bitte gebt eure unmissverständlich beschriebene Entdeckung in einem Kommentar bekannt, teilnahmeberechtigt sind nur Leute, die derzeit in Europa sind. Ein Hinweis: Ein Klick auf das Foto vergrößert es erheblich!

Cayuga Lake.

Das schönste Fraternity-Haus, das ich bis jetzt gesehen hab. Es wird von der Delta-Phi Fraternity bewohnt.

"In memory of the 343 N.Y.F.D. firefighters who died Sept. 11, 2001."



Freitag, 15. Februar 2008

Nob(e)le Ambitionen, null Länderkenntnis

Ailong Ke, der meine Vorlesung BIOBM 438 - The RNA World hält, ist einer der wenigen Menschen, vielleicht der einzige, den ich persönlich kenne, dem ich einen Nobelpreis zutrauen würde. Er ist Kristallograph und hat sich auf die Aufklärung von RNA-Strukturen spezialisiert. Professor Ke ist erstaunlich jung, wohl kaum älter als 30, und Stil und Inhalt seiner Vorlesung zeugen von außergewöhnlicher Verstandesschärfe, auch wenn es mir das manchmal schwer macht, ihm zu folgen. Er ist neben etlichen anderen Publikationen Erstautor einer Nature-Publikation[1] und Mitautor zweier anderer Publikationen innerhalb der Nature Publishing Group.
Auch Kes Ambitionen dürften passen: So hat er letzten Dienstag mit großen, funkelnden Augen von der Karriere Tom Cechs erzählt. Cech, ebenfalls ein RNA-Forscher erhielt nur 14 Jahre nach seinem PhD den Nobelpreis für Chemie. Will Ailong Ke ihm das nachmachen, so hat er dazu noch bis 2016 Zeit. Am Dienstag erarbeitete er mit uns den Inhalt des Vortrags, den "Cech hielt, als er damals, um den Preis entgegenzunehmen, nach Stockholm in die Schweiz fuhr." (Wortlaut Ke)

Sollte Ke wirklich eines Tages den Nobelpreis bekommen, hat er hoffentlich jemanden an seiner Seite, der für ihn einen Flug nach Schweden bucht...

[1] Nature = DAS Top-Journal!

Ein Detail zu den New York State Primaries

Ihr könnt euch vielleicht erinnern, als ich meinen Eindruck schilderte, dass Mr. Obama hier in Ithaca, Hauptstadt des Tompkins County, recht beliebt ist. Gestern hab ich im Cornell Daily Sun folgende Grafik zu den Vorwahlergebnissen in New York State entdeckt:

Die Überschrift dazu: "Tompkins County: Lonely and Lovin' it".

Donnerstag, 14. Februar 2008

Spanswick

In meinem Kurs BEE 484 - Metabolic Engineering komme ich zweimal wöchentlich in den Genuss, britisches Englisch zu hören. Der vortragende Professor, Roger Spanswick kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Manchester, hat in Birmingham und Edinburgh studiert und lebt seit längerer Zeit in Amerika. Der Pflanzenphysiologe dürfte um die 70 Jahre alt sein und hat ein langes Forscherleben hinter sich, in dem er reichlich Stoff für Anekdoten zusammengetragen hat, von der er in jeder Vorlesung ein oder zwei erzählt. So hat er zum Beispiel von seiner Mittelschulzeit in England erzählt, als er Anthony Burgess ("Clockwork Orange") als Englischlehrer erleben durfte. Eine weitere nette Geschichte handelte von einem Haggis-Essen in der Mensa zu Edinburgh mit Peter Mitchell, der wenige Jahre später Nobelpreisträger for Chemie wurde. Von Peter Mitchell, einem Professor des damaligen graduate student Spanswick, stammt die chemiosmotische Theorie[1], die Anfangs als völlig verrückt betrachtet wurde.
Weit davon entfernt, kabarettistisch zu sein, wird Spanswicks Vortrag stets von einem feinen britischen Humor getragen.

Durch Zufall hab ich heut entdeckt, dass er seine lecture notes online gestellt hat, und erfreulicherweise geben sie fast wortwörtlich seinen Vortrag wieder, zwar nicht die Anekdoten, aber doch einige seiner feinen Anmerkungen, derer ich hier ein paar herzeigen mag. (copyright Spanswick)

Über die Erwartung der Amerikaner an einen Briten, ja keine Leidenschaft aufkommen zu lassen: "Although I am still somewhat constrained by my British background, which frowns upon an excess of enthusiasm, I am, nevertheless, very excited to have the opportunity to teach this course."

Über den bekannten Genomics-Enthusiasmus: "You may have noticed that there has been a fair amount of hype surrounding genomics. One gets the impression that genomics will soon provide the answers to problems from ingrown toenails to baldness, and everything in between."

Über die uns Boku-Studenten wohlbekannten schönen Seiten eines Gärungstechnik-Studiums: "The University of Birmingham, in England, where I was an undergraduate (in physics), had a Department of Malting and Brewing. I suppose there was some science associated with it, but I had the impression that sampling alcoholic beverages was the main occupation of the students."

Ich befürchte, dass viel von Spanswicks wit verloren geht, wenn man ihn nicht sprechen hört, doch vielleicht hat's euch ja gefallen.



[1] Die chemiosmotische Theorie besagt, dass zwischen den Reduktionsäquivalenten NADH und FADH, die z.B. im Citratzyklus gebildet werden, und der Regeneration von ATP aus ADP kein molekulares Zwischenprodukt besteht (wie lange angenommen wurde), sondern dass ein Protonengradient, der als Folge der Oxidation von NADH und FADH gebildet wird, die ATP Synthese antreibt. Die Aufklärung der Atmungskette sowie die Entdeckung von membrangebundenen ATP-Synthasen hat zur endgültigen Akzeptanz der chemiosmotischen Theorie geführt.

Dienstag, 12. Februar 2008

I'm an illegal sledder!

Eine Kurzfassung des heutigen Tages: Auf einen Sprung ins Labor, eine mäßig spannende Vorlesung, eine weitere mäßig spannende Vorlesung, Mittagessen, ein kleines Schläfchen, und die restliche Zeit, an die fünf Stunden, hab ich damit verbracht, einen Essay für Zellbiologie zu schreiben. Ich glaube ich weiß mittlerweile ganz gut, wie ein normaler Tag einer braven und fleißigen Cornellstudentin aussieht. Dieses Wissen zu erlangen war zwar Teil meiner Motivation, hierher zu kommen, doch es allein führt nicht zu einem lustigen Studentenleben und es füllt auch keinen blog.

Doch: Dank sei dem Wetter[1] und dank sei Kinsha! Er hat mich um 21:17h, ich war gerade beim vorletzten Absatz meines Essays, angerufen und mich gefragt, ob ich mitkommen mag, rodeln gehen, jetzt gleich! Ich ziehe meine wärmsten Sachen an, wünsche meinem Essay eine gute Nacht und scanne mein Zimmer nach Rodelartigem. Ich entscheide mich für die Schaumgummirückwand meines Wanderrucksacks, die auch für eine Verwendung als Sitzpolster konzipiert ist. Als Hülle um diesen Hightech-Kern wird ein Big Red Bag-Plastiksack aus dem Cornell Store herangezogen. Ich habe leider aus feuerschutztechnischen Gründen keine Kerzen in meinem Zimmer, deswegen muss mein Gefährt ohne temperaturoptimierte Wachsschicht auskommen.
Im vierten Stock treffe ich Kinsha und die anderen Leute, die mitkommen: Matt, Nina, Hali und später auch noch Marija, die ich auf die Schnelle noch rekrutieren konnte. Kinsha lacht mich aus, als ich ihm meinen selbstgemachten sledding device präsentiere, doch ich versichere ihm, dass ich Erfahrung mit solchen Dingen habe. Matt hat unter seiner Jacke drei riesige Tupperwaredeckel die ihn wie ihn einen Hero-Turtle aussehen lassen.

Warum er die Deckel versteckt? Ganz einfach: Rodeln auf dem Hang (auf meinem Hang, auf dem, der mich jeden Morgen schwitzen lässt) zwischen Central und West Campus ist verboten. Ich denke mir: Jawohl, das ist meine erste Gelegenheit, eine Regel zu übertreten, mit der gesunden Überzeugung, dass es das wert ist, darauf hab ich gewartet! Und die knapp 10 cm Neuschnee sind wirklich unwiderstehlich.

Auf der slope sind wir nicht die einzigen, ein Dutzend anderer Leute hat schon erste Spuren durch den Schnee gezogen. Die beliebtesten Hilfsmittel sind dabei aus der dining hall entführte Speisetabletts, ein Typ hat sogar ein Schlauchboot mitgebracht. Und dann kann's losgehen, drei, zwei eins, yeeeehaaa!

Ich.

Ich (der kleine schwarze Punkt in der Bildmitte), drei Sekunden später. Der Hang unmittelbar hinter der Uris Library hat ein respektables Anfangsgefälle, da geht es ordentlich dahin. Die Rodeltauglichkeit meines gefüllten Sackerls liegt zwischen jener des Schlauchboots - mit dem kam der Typ wirklich fast bis zu den Häusern des West Campus - und jener der Tabletts.
Neben dem Rodeln selbst macht es am meisten Spaß, Kinsha zu beobachten. Als Australier hat er natürlich seine Anfangsschwierigkeiten mit dem Erklimmen von einem beschneiten Hang, mit dem Formen von Schneebällen (You have to press it, make it stick together!) und mit dem Hinunterrodeln an sich. Meine Anweisung, die Füße hochzuheben, befolgt er, indem er sich auf den Rücken legt, den Sack irgendwie zwischen sich und den Boden klemmt und die Beine im rechten Winkel senkrecht nach oben streckt. Doch bald hat er's heraußen und erfreut sich am neu eroberten Element unter seinem Hintern.

Kinsha, am Weg hinauf.

Matt, Hali und Kinsha.[2]

Nach vier oder fünf Abfahrten ist an mir alles nass, was nass werden kann und ich gehe zufrieden und glücklich nach Hause. Mit dem heutigen Nachtrodeln hat meine persönliche Best-of-Cornell-Liste ein neues Erlebnis an der Spitze!

[1] Es hat heute richtig viel geschneit! Und ja, ich schreibe schon wieder über das Wetter. Doch ich bitte darum, mir Glauben zu schenken, dass hier in Ithaca das Wetter nicht (wie sonst auf der Welt) rein konversativen Ballasts darstellt, der ein oberflächliches Gespräch in Gang bringen oder halten soll;-- Nein, das Wetter bewegt, bedrückt und beschäftigt hier wirklich jeden. Temperaturen wie die -16°, die es heute in der Früh übrigens wieder hatte, lassen einen einfach nicht kalt, sie lassen einen erschaudern!
[2] Ein Dankeschön geht an Hali, von ihrer Kamera stammen die Fotos.

Sonntag, 10. Februar 2008

Es geht noch kälter.

Ich hoffe, mit meinen beinahe wöchentlichen Wetterberichten niemanden zu langweilen, doch das hier muss ich einfach loswerden. Bei den -13°C von Ende Jänner von einem "warm-up" für die eigene Kälteresistenz zu sprechen, wäre sowieso etwas paradox, darüber hinaus aber auch noch nicht angebracht, denn die minus -16° von heute wären ja noch eine harmlose Vorübung gegen das, was hier draußen los ist: Wir haben nämlich auch noch einen Wind von 18.4 mph = 29.6 km/h (laut Cornell weather) draußen. Und der Windchill Rechner hat dann meinen Eindruck vom Heimweg aus dem Cafehaus bestätigt:

Wehe, wenn wir heute Nacht wieder einen Feueralarm wegen lustigen Keksbäckern haben...

Alarm um vier

Die Nacht auf heute war schräg. Wow. Nach einer Party in Collegetown bin ich etwa um 2h nach Hause gekommen, und bin dann meinem bewährten after party Ritual nachgekommen, vor dem Schlafengehen noch viel Wasser zu trinken, um am Morgen danach einen schmerzfreien Schädel zu haben. Hierauf folgten eineinhalb Stunden Schlaf, dann musste das Wasser wieder raus. Ich leg mich danach wieder hin, meine Uhr zeigt 03:22h an. Ich lieg noch ein wenig wach herum, währenddessen kommt mir in den Sinn, was ich gerade geträumt hab: Ich bin als Astronautin auf einem amerikanischen Raumschiff, wir fliegen zu einem interessanten Stern, der sich, als wir dort ankommen, als Planet herausstellt. Wir fliegen in einen tieferen Orbit, ich schau aus dem Raumschifffenster und sehe aus ca. 50 m Höhe einen dunkelgrünen Baum neben dem anderen auf weißer Erde stehen. Wir landen, steigen aus, durchqueren den Wald und treffen menschenähnliche Wesen, die gerade Urlaub am Strand machen. Sie laden uns auf ein Eis ein, wir bedanken uns und fliegen wieder nach Hause. Ich hab hier ja schon oft Blödsinn geträumt, aber das schlägt alles bisherige. Das war Schrägheit Nummer 1.

Schrägheit Nummer 2: 4.05h. Ein gräßlicher Sirenenton mit trommelfellbedrohender Lautstärke ertönt in meinem Zimmer. Ich schrecke hoch, identifiziere den Ton als Alarm und frage mich, was ich denn angestellt hab, dass sie in meinem Zimmer einen derart unaushaltbaren Alarm läuten lassen. Mein schlaftrunkenes Hirn erinnert sich, dass es sich kurz davor gedacht hat, dass meine Decke verkehrt herum liegt, mit der synthetischen Oberdecke nach unten--- mein rationales Denken funktioniert nicht, mein Bauchgefühl vermutet, dass die umgedrehte Decke regelwidrig ist und ich deshalb einen Alarm verursacht hab. Das rationale Denken wacht langsam auf und deklariert diese Hypothese als schwachsinnig. Meine malträtierten Ohren drängen mich dazu, aus meinem Zimmer rauszugehen. Am Gang schrillt es aber genauso und der Fakt, dass vor den drei anderen Zimmertüren in meinem Appartment auch verstörte Gestalten herumstehen, lässt mich erkennen, dass es sich um einen Feueralarm handelt. "I guess we're supposed to get out, are we?" - Ich zieh mir schnell Schuhe an, nehme meinen Schlüssel und meine Fleeceweste und nehme die Nottreppe nach draußen.
Am Weg dorthin und in der verdammten Kälte angekommen staune ich, wie versiert ich mittlerweile beim Fluchen auf Englisch bin. Ich verfluche die Sirenen, die Kälte, die unmenschliche Uhrzeit und die anzunehmenden Hugos, die sich um diese Zeit - wahrscheinlich stockbesoffen - eine Zigarette anzünden und damit ein ganzes Haus aufwecken.
Draußen steht schon ein kleines Grüppchen und ich ergreife die Gelegenheit, mich meiner neuen Nachbarin vorzustellen, die am Samstag in unsere Suite eingezogen ist. Auch eine Art, sich kennenzulernen, mit klappernden Zähnen in der Finsternis, im kurzen Nachthemd, mit nackten Beinen in Lederstiefeln. Ich komme mir mit meinem Outfit plötzlich vor wie die ärgste Sorte amerikanischer girls, die sich für eine Party herrichtet. In der Zwischenzeit ist ein riesiges Feuerwehrauto mit Rot-Gelb-Licht angerollt. Ich suche nach bekannten Gesichtern in der Menge und gehe später auf die andere Gebäudeseite, wo meine Kameraden aus dem 4. Stock zu finden sein müssten. Tatsächlich, ich treffe dort GRF Mario, er ist ganz entspannt und voll bekleidet mit Brille, Haube, Handschuhen und langem Wintermantel. Jaja, das passiert hier öfters, seit er hier ist wohl zum fünften Mal.
Meine Zähne klappern immer lauter, ich frage mich wo Kinsha ist, er war bei keiner der beiden Ausgänge zu sehen. Endlich nach ca. 10 Minuten dürfen wir wieder hinein, ich bin noch immer in einer schlafnahen Trance und gleichzeitig von der Situation ziemlich belustigt und rufe Stefan in Österreich an- Denn wann hab ich schon die Gelegenheit, dort einmal am Vormittag anzurufen und noch dazu mit einer Geschichte aufwarten zu können? Um 4:29h leg ich mich dann wieder schlafen und genieße fünf weitere Stunden diesmal ungestörten Schlafes.
Feueralarm gehört hier angeblich wirklich zum regelmäßigen Programm, was dazu führt, dass manche Leute gar nicht mehr hinausgehen, was der Sache natürlich nicht gerade zweckdienlich ist.
Am Sonntag zu Mittag treffe ich dann Kinsha: Nein, er war nicht unten, er hat den Alarm schon gehört, hat aber so gut geschlafen und gedacht, dass der Lift spinnt und nicht zu piepsen aufhört. Dafür kann er mit einer Erklärung für den Alarm aufwarten: Um 6h in der Früh, als er aufgestanden ist (seltsames Schlafverhalten, wirklich sehr seltsam), hat er in der Mikrowelle in unserer Speisekammer die Reste eines verbrannten Cookies gesehen. Damn cookie!

Samstag, 9. Februar 2008

Research

Vor mittlerweile einem Dreivierteljahr, Anfang Mai des letzten Jahres, war ich gerade mitten im Bewerbungsprozess für mein Auslandssemester war. Vollkommen überfordert von den vielen leeren Formularen, die bereits zu diesem frühen Zeitpunkt eine Angabe forderten, was für Kurse ich denn in den USA machen will, wandte ich mich damals an Matthias, einen anderen Studenten der BOKU, der zu dieser Zeit gerade ein exchange semester an der University of Georgia machte, für dich mich ursprünglich beworben hatte. Er beruhigte mich schnell, meine definitive Kursauswahl müsse ich ohnehin erst vor Ort treffen, es ist also egal, was ich in meine erste Bewerbung schreibe. Er erzählte mir auch gleich von ein paar seiner Kurse, schwärmte von seinem Laborkurs und riet mir stark, entweder auch einen Laborkurs oder - noch besser - ein Forschungspraktikum zu machen. Ein Praktikum? In einer Forschungsgruppe meiner Gastuniversität? Wo ich keine einzige Person kenne, wo ich nicht weiß, woran eigentlich geforscht wird? Wo ein Vorstellungsgespräch ein halbes Jahr im Voraus (um dann zwei Monate später darauf vielleicht eine schriftliche Verständigung zu bekommen, dass ich mitarbeiten darf) wegen geographischer Schwierigkeiten in der Größenordnung von 6800 km eher unrealistisch ist? Mag ja nett sein, so ein Forschungspraktikum, aber ist vielleicht doch ein bisschen umständlich von Wien aus zu organisieren. Ich werde wohl eher bei Vorlesungen und vielleicht einem Laborkurs bleiben.

Dienstag, 15. Jänner 2008, mein zweiter Tag am Campus: Ich statte Tamara Durham, die meine Bewerbung von amerikanischer Seite aus betreut hat, einen Besuch in der registrar's office (~ Studiendekanat) des CALS ab. Sie zeigt mir im Laufe unseres Gesprächs einen Zettelhalter, in dem ganz links oben ein Stapel von rosa Formularen steckt: Ein Antragsformular für ein individual study oder undergrad research. Ich frage, ob das so etwas wie ein inneruniversitäres Forschungspraktikum sei? -Jaja, wenn du einen Professor findest, bei dem zu arbeiten kannst, dann brauchst du dieses Formular, um credits dafür zu bekommen. Aha. Wenn ich also einen Professor finde, einen von den 2000 Professoren hier (Schätzwert), der nur darauf gewartet hat, dass ich bei ihm ins Büro spaziere und verkünde, dass ich ab morgen bei ihm arbeiten will und werde. Bestimmt.[1] Schön, dieses rosa Formular, denk ich mir, und bin froh, dass ich meine 12 credits von den Vorlesungen beisammenhabe.

Freitag, 18. Jänner 2008, drei Tage später: Ich treffe meinen faculty advisor Prof. Walter, Vorsitzender des BEE department (Biological and Environmental Engineering), um meine Kursauswahl mit ihm zu besprechen. Unser Gespräch wendet sich irgendwann zum Thema Forschung auf der CU hin, und ich lasse die Frage fallen, was man sich denn jetzt eigentlich vorstellen kann unter dem Begriff undergrad research.
Er erklärt es mir, nimmt mich einen Stock höher mit, stellt mir Prof. John March in dessen Büro vor, jener fragt mich, ob ich Interesse an Mitarbeit in seiner Gruppe habe, ich sage möglicherweise, er fragt mich ob ich schon mal kloniert hab, ich sage ja, ein bisschen; er sagt er hat einen Job für mich, ich sage wow, er fragt, wann ich anfangen will.
Ein paar Tage später trage ich ein komplett ausgefülltes rosa Formular zum registrar, zwei Stunden später sehe ich online, dass ich nun für 16 statt 12 credits angemeldet bin.

Ich mache jetzt also undergrad research, bin in der Forschungsgruppe des assistant professor John March und verbringe meine freien Nachmittag also nunmehr im Labor. Ich hab dabei mein eigenes kleines Projekt, das in eine Publikation der Gruppe einfließen wird, betreut werde ich dabei direkt von meinem supervisor (= Mr. March). In der Publikation geht es um ein neues Diabetes-Medikament, das in tierischer Zellkultur getestet wird und meine Aufgabe - ganz grob erklärt - ist es, die Zellen so zu verändern, dass sie das Medikament nicht sofort abbauen. Das involviert für mich einige molekularbiologische Techniken, mit denen ich noch fast nicht oder gar nicht zu tun gehabt habe. Dadurch wird die Arbeit einerseits sehr spannend aber andererseits hab ich auch echt Respekt davor.
Ich bekomme wie gesagt 4 credits dafür, angeblich ist das einem wöchentlichen Arbeitsaufwand von 14 Stunden äquivalent. Ich werde aber in keiner Weise fixe Arbeitszeiten im Labor haben, sondern kommen und gehen, wann es die Arbeit erfordert und wie ich es mir richten kann. Ich habe schon Schlüssel zum Laborgebäude bekommen und kann da jetzt 24/7 hinein. Meine einzige definierte Verpflichtung liegt darin, regelmäßig meinem Betreuer zu berichten und mich mit ihm abzusprechen.
Ich arbeite zwar jetzt schon seit zwei Wochen an meinem Projekt, allerdings war ich bis jetzt nur mit dem experimental design beschäftigt, was bedeutet, dass ich sehr viel am Computer gesessen bin, mich durch verschiedenste Datenbanken gegraben hab und auch versucht habe, brauchbare Literatur zur Methodik zu finden.

Morgen Montag werde ich dann voraussichtlich das erste Mal den weißen Mantel anziehen und mit den ersten Vorexperimenten anfangen. Ich habe noch keinerlei Vorstellung davon, wie das alles gehen soll- ja zur Zeit ist der research an sich noch ein einziges kaltes Swimmingpool für mich, in das ich mich jeden Tag aufs neue stürze. Doch egal, was ergebnis- und lerntechnisch dabei herausschaut: Ich bin glücklich, so unkompliziert zu dieser Möglichkeit gekommen zu sein. Und meine Hauptmotivation, diese Forschungsarbeit zu machen ist die, dass ich wissen will, wie's denn so läuft, in der gepriesenen amerikanischen Forschung. Wie in einem Labor, das sich im Vergleich zu österreichischen Unilabors nicht ums Geld sorgen braucht, gearbeitet wird, und ob das ein Art von Arbeit ist, die mich nachhaltig interessiert. Und diese Fragen werde ich wohl, unabhängig von meinem "publikablen" Erfolg, Ende Mai beantworten können!

Die 4 zusätzlichen credits erlauben mir auch, falls mir die gesamte Arbeit des Studierens hier zu viel wird, noch einen meiner vier Kurse innerhalb der nächsten 4 Wochen zu droppen, ohne dabei unter die 12 credits-Grenze zu fallen. In der letzten Woche wurde die Arbeit für meine Kurse noch mal mehr und da beruhigt mich das Wissen, dass ich allenfalls noch einmal die Gelegenheit habe, zu kürzen.

[1] Ist das ein österreichisches Denkmuster? Oder ein kontinentaleuropäisches? Oder bin das nur ich?

Donnerstag, 7. Februar 2008

New York City!

Es ist soweit! Hier kommt mein lang angekündigter Bericht aus New York City. Es gab unglaublich viel zu sehen: Die folgende Fotostrecke will nur einige meiner Ein- und Ansichten von New York transportieren. Weitere Fotos findet ihr wie immer auf meinem Webalbum, welches ich heute auch den Links in der linken Spalte dieser Seite hinzugefügt hab.

Samstag früh in der U-Bahn nach Dowtown Manhattan. Marija, Noortje, Marlies, Nanine und Emmy (v.l.n.r., die vier Mädels rechts sind alle aus Holland) waren mit mir unterwegs. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einem 6-Bett Mädchen Zimmer geschlafen hab. Doch obwohl wir nur eine Dusche, ein Klo und einen Spiegel und alles noch dazu in einem einzigen, versperrbaren Bad hatten, war's ganz entspannt in der Herberge. Und für 18,50$/Nacht sogar noch jeden Tag frisch gemachte Betten und Handtücher vorzufinden, war wirklich fein. Wer also auf der Suche nach einem günstigen Hostel in NYC ist, der frage mich nach diesem Haus.

Nanine, dahinter Marlies, wieder in der U-Bahn. Bis zum Schluss konnten wir kein eingehendes Verständnis des New Yorker U-Bahn Systems erlangen. Verschiedene Linien auf einem Gleis, Buchstaben, Zahlen und Farben statt merkbaren Namen, dazu noch die Verwirrung mit local und express trains, all das führte dazu dass wir nicht nur einmal woanders ankommen als wir geplant hatten. Aber auch den unerwarteten Kurzaufenthalt in Harlem um 2h in der Nacht, den uns eine Fahrt mit dem express train beschert hat, haben wir schadlos überstanden.

Statt einer teuren Sightseeing-Bootstour entschieden wir uns für die kostenlose Staten Island Ferry, um einen Blick auf die Statue of Liberty zu werfen, die ihre Hand in Richtung Himmel und Freiheit streckt, was ihr die Kräne im Hintergrund nachzumachen scheinen.

Zwar bedeutend größer als etwa ein Prinz Eugen am Wiener Heldenplatz, überrascht die Statue in ihrer Kleinheit gegenüber anderen menschengemachten Bauwerken auf der nahen island of Manhattan.

Ellis island. Schade, dass man dieses weiße Wassersilo nicht besser unterbringen konnte.

Gute Stimmung jedem Wind zu trotz. Die Fahrt mit der Fähre war die einzige wirklich fröstelnd kalte Sache, die wir in New York gemacht haben, sonst hat uns die Stadt mit Sonnenschein und Frühlingsluft verwöhnt. Besonders am Sonntag morgen, als wir in der Früh unsere Herberge verließen, erinnerte mich die Luft an genau die Stimmung in Wien, die einen umfängt, wenn man nach einer durchtanzten Frühlingsballnacht und einem Würstelfrühstück um sechs Uhr in der Früh nach Sonnenaufgang von der U-Bahn nach Hause geht und die Vögel zwitschern. Wunderbar!

Ich brauch glaub ich nicht erwähnen, dass es mir getaugt hat.

Downtown Manhattan.

Der berühmte Bulle mit den blankpolierten Hoden (nicht abgebildet) zeigt...

...dass wir uns in der Nähe der Wall Street befinden.

Am Portal des New York Stock Exchange Gebäudes ziehen überdimensionale stars & stripes die Blicke auf sich.

Am Samstag zu Mittag machten wir dann einen Abstecher nach Chinatown, wo die Straßen auch chinesische Namen haben.

Starbucks versucht auch in Chinatown durch crossover-Styling Fuß zu fassen, was hier aber genauso unpassend wirkt wie in der Wiener Innenstadt, wo sich der coffeeshop als kleine wienerische Lokalität verkleidet (siehe die Filiale am Michaelerplatz).

Während der Standardtourist in Chinatown gefälschte "Designertaschen", Parfums oder Armbanduhren kauft, wird man hier auch etwas ausgefalleneren Kundenwünschen gerecht.

Den Samstag Nachmittag verbrachten wir shoppend in Macy's und anderen Geschäften wie Forever 21, welchem ich hiermit einen Preis für das unordentlichste Bekleidungsgeschäft aller Zeiten verleihe (siehe Foto).

Am Herald Square, am kleinen Bruder des Times Squares, geht shoppingtechnisch die Post ab.

Zum Times Square gelangten wir schließlich Samstag Nacht um 1h. Die Millionen Leuchtdioden lassen hier die Nacht zum Tag werden. Allerdings nur optisch, denn zu unserer Enttäuschung ist hier in der Nacht absolut nichts los. Wir fanden gerade mal ein offenes Kaffeehaus, das "Cafe Europa", welches uns allerdings auch nach einer Viertelstunde nach Hause schickte.

Videowände wie diese an allen Seiten fesseln einem die Blicke und reißen sie einmal in diese, einmal in jene Richtung. Für mich war's das erste Mal, dass ich bei Dunkelheit in einer Stadt dieser Art und Größenordnung war und der Times Square hat mich schwer beeindruckt.

Ein völlig konträres Bild bietet der Central Park, in dem wir am Sonntag vormittag ein bisschen spazierten.

Riesig, aber diesmal in Bezug auf die zwei anderen Dimensionen als die Hochhäuser, erstreckt sich der See im Central Park, den ich später noch von einer anderen Perspektive aus betrachten konnte.

Am Weg zu unserem nächsten Ziel lockten uns leuchtend rote Äpfel in ein Geschäft, das auch so manch anderes zu bieten hatte. Gut zu wissen, wo ich hingehen kann, wenn meine Mannerschnitten zu Neige gehen.

Neben Importsüßigkeiten konnte man in diesem Laden auch verführerisch gut aussehende, frisch gekochte Speisen kaufen. Angeblich wird in NYC kaum gekocht, man isst immer am Weg, im Restaurant, in der Kantine oder man nimmt sich etwas fertig gekochtes mit nach Hause. Ich hab sogar gehört, dass die Appartments in neu gebauten Wohnhäusern gar keine Küchen mehr haben, weil die Nachfrage danach nicht vorhanden ist.

Am Sonntag zu Mittag besuchten wir dann das Museum of Modern Arts, kurz MoMA. Es hat mich derart beeindruckt, dass hier bald ein eigener Artikel nur über das Museum zu sehen sein wird.

Bevor wir den Bus zurück nach Ithaca nahmen, zog es uns noch einmal ganz hoch hinauf, auf das Dach des Rockefeller Centers, welches unter dem Namen Top of the Rocks eine spitzenmäßige Aussicht verspricht.

Das Versprechen wurde gehalten, wobei Windstille und Sonnenschein das Ihrige dazu beitrugen.

Ganz Uptown Manhattan hinter mir. Hier sieht man auch wieder den Central Park mit dem See! [1]

Da sind wir nun, alle sechs.

Und dann bleibt natürlich noch Basti, der beste Freund vom Stefan (Scheibi), der ein Auslandsjahr an der New York University macht und den zu treffen wir uns fix vorgenommen haben. Einmal waren wir gemeinsam Kaffee trinken und am Samstag auch gemeinsam abendessen. Ihm verdank ich's auch, dass ich jetzt fürs nächste Mal weiß, wo in Manhattan zu später Stunde wirklich was los ist: Es lebe die lower east side!

Ja, das waren unsere knapp 46h im Big Apple. Danach in das Städtchen Ithaca zurückzukehren, das noch dazu verschneit war, war schon etwas seltsam. Doch zumindest einmal möchte ich noch nach New York City kommen, mal sehen wann mein Großstadtdurst das nächste mal auftaucht!

[1] In meinem Webalbum hab ich noch wesentlich mehr Fotos von der tollen Aussicht, die sind glaub ich durchaus einen Klick wert.