17. Februar: Meine Festplatte stirbt.
Die darauffolgenden 4 Wochen: Mein Appetit nach Musik wird ausschließlich von ein paar Alben auf meinem MP3-Player versorgt.
22. März: Mein Computer geht wieder, meine Daten und meine geliebte Musik sind natürlich weg.
9. April: Mir staubt meine Musik vom MP3 Player schon bei den Ohren raus. Ich denke nach, welche Alben meiner Sammlung ich denn gerne hören würde und da fällt mir das Album Challengers von den New Pornographers ein, einer Indie Rock Band aus Kanada. Ich lad's mir runter.
10. April: Ich höre Challengers auf und ab und freue mich des Lebens.
11. April: Ich geh zum Mittagessen in meine dining hall. Und welche Musik ertönt aus den Lautsprechern? Challengers! Das Album in voller Länge :-)
12. April: Noortje ist am Abend bei mir zuhaus, bevor wir uns auf den Weg zu einer Beach Party machen. Ich habe im Hintergrund die New Pornographers Platte laufen und erzähle ihr von dem Zufall in der dining hall. Sie fragt zweimal nach dem Namen der Band und sagt sie hat gesehen, dass die irgendwann jetzt in Ithaca spielen und dass es über Cornell Karten gibt.
WAS? Die? In Klein-Ithaca? Jetzt? Woah. Wir gehen auf die Cornellhomepage und auf den Eventkalender. Tatsächlich: Ithaca State Theatre, April 13, 8pm. Das ist ja morgen! Aber schnell kommt die Enttäuschung: Concert sold out. Tja. Wär ja auch zu schön gewesen.
13. April: Unwillig, den Sonntagabend dem Studium zu widmen, gehen Noortje und ich zum State Theatre, ohne Tickets, aber dafür mit einem Plan B in der Tasche, wenn's nicht klappt, wird's halt wieder mal ein Glas Wein irgendwo. Doch: Plan B bleibt in der Tasche, nach fünf Minuten am Gehsteig haben wir zwei Tickets in der Hand!
Es war ein feines Konzert, vor allem der opening act aus Austin, Texas, die Band mit dem Namen Okkervil River, die ich bis jetzt nur dem Namen nach kannte, hat mir sehr gut gefallen. Deren Vorstellung fiel kaum kürzer aus als das der New Pornographers; es war eher ein Doppelkonzert.
Eine interessante Nebenerfahrung war jene der Atmosphäre eines amerikanischen Kleinstadtkonzerts. Das State Theatre ist eine Theaterbühne die einen großen Zuschauerraum mit roten Kunstsamtsesseln hat und die wie eine Mischung aus Mittelalterburg, Renaissancepalast und Akropolis aussieht; Das Material der Wände ist aber mehr Styropor/Karton als Marmor. Und - man kann ja nicht die unter 21-Jährigen ausschließen - statt Bier und Gin Tonic werden hier Soda und Cookies verkauft. Am Anfang des Konzerts sind alle auf ihren Sitzplätzen gesessen. Na wunderbar. 1600 nüchterne Leute in Sofasesseln, das rockt.
Aber dann: In der Mitte des ersten Songs steht die Hälfte auf und strömt entlang der Gänge nach vorne, wir natürlich mit. Später macht dann sogar in der Reihe vor uns ein Joint die Runde, in der Pappburgarena.
Insgesamt war die Stimmung dann ganz nett.
Und noch eine letzte Beobachtung: Im Gegensatz zum europäischen Indie-Publikum sind sich die Amerikaner offenbar nicht zu cool, um im Takt zu klatschen. Und sie können's sogar. Vielleicht tun sie's ja deswegen. Oder vielleicht können sie's, weil sie's tun. Wie auch immer.
1 Kommentar:
"...nach fünf Minuten am Gehsteig haben wir zwei Tickets in der Hand!"
Habt ihr denn falsch geparkt? :-)
Eine sehr schöne Geschichte, da wär ich auch gerne gewesen!
Stefan de KLBG
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