Donnerstag, 14. Februar 2008

Spanswick

In meinem Kurs BEE 484 - Metabolic Engineering komme ich zweimal wöchentlich in den Genuss, britisches Englisch zu hören. Der vortragende Professor, Roger Spanswick kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Manchester, hat in Birmingham und Edinburgh studiert und lebt seit längerer Zeit in Amerika. Der Pflanzenphysiologe dürfte um die 70 Jahre alt sein und hat ein langes Forscherleben hinter sich, in dem er reichlich Stoff für Anekdoten zusammengetragen hat, von der er in jeder Vorlesung ein oder zwei erzählt. So hat er zum Beispiel von seiner Mittelschulzeit in England erzählt, als er Anthony Burgess ("Clockwork Orange") als Englischlehrer erleben durfte. Eine weitere nette Geschichte handelte von einem Haggis-Essen in der Mensa zu Edinburgh mit Peter Mitchell, der wenige Jahre später Nobelpreisträger for Chemie wurde. Von Peter Mitchell, einem Professor des damaligen graduate student Spanswick, stammt die chemiosmotische Theorie[1], die Anfangs als völlig verrückt betrachtet wurde.
Weit davon entfernt, kabarettistisch zu sein, wird Spanswicks Vortrag stets von einem feinen britischen Humor getragen.

Durch Zufall hab ich heut entdeckt, dass er seine lecture notes online gestellt hat, und erfreulicherweise geben sie fast wortwörtlich seinen Vortrag wieder, zwar nicht die Anekdoten, aber doch einige seiner feinen Anmerkungen, derer ich hier ein paar herzeigen mag. (copyright Spanswick)

Über die Erwartung der Amerikaner an einen Briten, ja keine Leidenschaft aufkommen zu lassen: "Although I am still somewhat constrained by my British background, which frowns upon an excess of enthusiasm, I am, nevertheless, very excited to have the opportunity to teach this course."

Über den bekannten Genomics-Enthusiasmus: "You may have noticed that there has been a fair amount of hype surrounding genomics. One gets the impression that genomics will soon provide the answers to problems from ingrown toenails to baldness, and everything in between."

Über die uns Boku-Studenten wohlbekannten schönen Seiten eines Gärungstechnik-Studiums: "The University of Birmingham, in England, where I was an undergraduate (in physics), had a Department of Malting and Brewing. I suppose there was some science associated with it, but I had the impression that sampling alcoholic beverages was the main occupation of the students."

Ich befürchte, dass viel von Spanswicks wit verloren geht, wenn man ihn nicht sprechen hört, doch vielleicht hat's euch ja gefallen.



[1] Die chemiosmotische Theorie besagt, dass zwischen den Reduktionsäquivalenten NADH und FADH, die z.B. im Citratzyklus gebildet werden, und der Regeneration von ATP aus ADP kein molekulares Zwischenprodukt besteht (wie lange angenommen wurde), sondern dass ein Protonengradient, der als Folge der Oxidation von NADH und FADH gebildet wird, die ATP Synthese antreibt. Die Aufklärung der Atmungskette sowie die Entdeckung von membrangebundenen ATP-Synthasen hat zur endgültigen Akzeptanz der chemiosmotischen Theorie geführt.

3 Kommentare:

pikarl hat gesagt…

danke für die erklärung der chemiosmotischen theorie. in einem semester mikrobiovorlesung an der uni hab ich viel über nadp, nadh und protonengradient gehört. es ist aber auch interessant, dass diese dinge vor kurzem noch nicht selbstverständlich waren.

Magdalena hat gesagt…

Mitchells paper über die chemiosmotische Theorie erschien 1966. Das ist für molekularbiologische Verhältnisse gar nicht so "jung". Die Grundprinzipien dieses Faches selten vor mehr als 50 Jahren etabliert, das ist in der Physik/Mathematik/Ingenieurwissen (dein genaues Fach weiß ich leider nicht mehr) wohl ein bisschen anders :-)

Anonym hat gesagt…

Hallo Magdi,
Karl studiert Geowissenschaften.
Von NADH und ATP haben wir auch schon in Bio gelernt, aber natürlich nicht lange nicht so ausführlich wie du. Also habe ich von dieser chemiosmotischen Theorie zum ersten Mal gehört.

Maria