Die Nacht auf heute war schräg. Wow. Nach einer Party in Collegetown bin ich etwa um 2h nach Hause gekommen, und bin dann meinem bewährten after party Ritual nachgekommen, vor dem Schlafengehen noch viel Wasser zu trinken, um am Morgen danach einen schmerzfreien Schädel zu haben. Hierauf folgten eineinhalb Stunden Schlaf, dann musste das Wasser wieder raus. Ich leg mich danach wieder hin, meine Uhr zeigt 03:22h an. Ich lieg noch ein wenig wach herum, währenddessen kommt mir in den Sinn, was ich gerade geträumt hab: Ich bin als Astronautin auf einem amerikanischen Raumschiff, wir fliegen zu einem interessanten Stern, der sich, als wir dort ankommen, als Planet herausstellt. Wir fliegen in einen tieferen Orbit, ich schau aus dem Raumschifffenster und sehe aus ca. 50 m Höhe einen dunkelgrünen Baum neben dem anderen auf weißer Erde stehen. Wir landen, steigen aus, durchqueren den Wald und treffen menschenähnliche Wesen, die gerade Urlaub am Strand machen. Sie laden uns auf ein Eis ein, wir bedanken uns und fliegen wieder nach Hause. Ich hab hier ja schon oft Blödsinn geträumt, aber das schlägt alles bisherige. Das war Schrägheit Nummer 1.
Schrägheit Nummer 2: 4.05h. Ein gräßlicher Sirenenton mit trommelfellbedrohender Lautstärke ertönt in meinem Zimmer. Ich schrecke hoch, identifiziere den Ton als Alarm und frage mich, was ich denn angestellt hab, dass sie in meinem Zimmer einen derart unaushaltbaren Alarm läuten lassen. Mein schlaftrunkenes Hirn erinnert sich, dass es sich kurz davor gedacht hat, dass meine Decke verkehrt herum liegt, mit der synthetischen Oberdecke nach unten--- mein rationales Denken funktioniert nicht, mein Bauchgefühl vermutet, dass die umgedrehte Decke regelwidrig ist und ich deshalb einen Alarm verursacht hab. Das rationale Denken wacht langsam auf und deklariert diese Hypothese als schwachsinnig. Meine malträtierten Ohren drängen mich dazu, aus meinem Zimmer rauszugehen. Am Gang schrillt es aber genauso und der Fakt, dass vor den drei anderen Zimmertüren in meinem Appartment auch verstörte Gestalten herumstehen, lässt mich erkennen, dass es sich um einen Feueralarm handelt. "I guess we're supposed to get out, are we?" - Ich zieh mir schnell Schuhe an, nehme meinen Schlüssel und meine Fleeceweste und nehme die Nottreppe nach draußen.
Am Weg dorthin und in der verdammten Kälte angekommen staune ich, wie versiert ich mittlerweile beim Fluchen auf Englisch bin. Ich verfluche die Sirenen, die Kälte, die unmenschliche Uhrzeit und die anzunehmenden Hugos, die sich um diese Zeit - wahrscheinlich stockbesoffen - eine Zigarette anzünden und damit ein ganzes Haus aufwecken.
Draußen steht schon ein kleines Grüppchen und ich ergreife die Gelegenheit, mich meiner neuen Nachbarin vorzustellen, die am Samstag in unsere Suite eingezogen ist. Auch eine Art, sich kennenzulernen, mit klappernden Zähnen in der Finsternis, im kurzen Nachthemd, mit nackten Beinen in Lederstiefeln. Ich komme mir mit meinem Outfit plötzlich vor wie die ärgste Sorte amerikanischer girls, die sich für eine Party herrichtet. In der Zwischenzeit ist ein riesiges Feuerwehrauto mit Rot-Gelb-Licht angerollt. Ich suche nach bekannten Gesichtern in der Menge und gehe später auf die andere Gebäudeseite, wo meine Kameraden aus dem 4. Stock zu finden sein müssten. Tatsächlich, ich treffe dort GRF Mario, er ist ganz entspannt und voll bekleidet mit Brille, Haube, Handschuhen und langem Wintermantel. Jaja, das passiert hier öfters, seit er hier ist wohl zum fünften Mal.
Meine Zähne klappern immer lauter, ich frage mich wo Kinsha ist, er war bei keiner der beiden Ausgänge zu sehen. Endlich nach ca. 10 Minuten dürfen wir wieder hinein, ich bin noch immer in einer schlafnahen Trance und gleichzeitig von der Situation ziemlich belustigt und rufe Stefan in Österreich an- Denn wann hab ich schon die Gelegenheit, dort einmal am Vormittag anzurufen und noch dazu mit einer Geschichte aufwarten zu können? Um 4:29h leg ich mich dann wieder schlafen und genieße fünf weitere Stunden diesmal ungestörten Schlafes.
Feueralarm gehört hier angeblich wirklich zum regelmäßigen Programm, was dazu führt, dass manche Leute gar nicht mehr hinausgehen, was der Sache natürlich nicht gerade zweckdienlich ist.
Am Sonntag zu Mittag treffe ich dann Kinsha: Nein, er war nicht unten, er hat den Alarm schon gehört, hat aber so gut geschlafen und gedacht, dass der Lift spinnt und nicht zu piepsen aufhört. Dafür kann er mit einer Erklärung für den Alarm aufwarten: Um 6h in der Früh, als er aufgestanden ist (seltsames Schlafverhalten, wirklich sehr seltsam), hat er in der Mikrowelle in unserer Speisekammer die Reste eines verbrannten Cookies gesehen. Damn cookie!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
es war sicher nicht das schuld cookie. wenn die decke falschherum liegt ist das schon einen alarm wert! decke darf nicht falschherum sein, darf nicht, geht nicht, ganz schlimm! =)
Was sich die fleißigen Amerikaner kaum vortsellen können: Der Stefan, der da um 4:25 ET am Sonntag angerufen wurde, ist durch den Feueralarm in Cornell - freilich indirekt - ebenfalls aus seinem süßen Schlaf gerissen worden. Aber auf charmanteste Weise :-) Trotzdem wieder ein beeindruckendes Zeugnis für eine zunehmend globalisierte Welt und ihre Segnungen...
Stefan de KLBG
Kommentar veröffentlichen