1. Ja, ich bin gut aus NYC zurückgekehrt.
2. Ja, ich werd darüber später noch schreiben.
3. Ja, ich hab Fotos gemacht und werd die schönsten hier posten.
Aber aus aktuellem Anlass möchte ich zuerst mein Versprechen einlösen, meine Eindrücke zu den presidential election primaries zu schildern. Die ersten paar Tage ist mir kein einziger Hinweise begegnet, dass es so etwas bald gebe oder dass etwas wie Wahlkampffieber herrscht. Später entdeckte ich nach und nach auf einzelnen Häusern in Ithaca kleine Flaggen mit Vote for Obama-Aufrufen. In der ersten Vorlesungswoche sah ich sogar einmal die Ankündigung eines Obama campaign Treffens im Alice Cook House am West Campus. Ähnliches für Hillary oder einen republikanischen Kandidaten konnte ich nicht entdecken. Die sichtbare Stimmung in Ithaca und Cornell scheint also Barack Obama zu gehören. Dies scheint gut zu passen, zu der kleinen Stadt mit der großen Uni, zu ihrer jugendlichen Anti-Establishment Haltung inklusive ihrem spürbaren Hang zu Öko und Bio. Wäre Ithaca in Österreich, hätte es wohl einen grünen Bürgermeister.
Als ich einmal am Abend mit ein paar Leuten aus meinem Haus zusammensaß, fragte ich sie, ob sie's eigentlich juckt, dass bald Wahlen sind. Die Antworten: naja, eher nicht, man verfolgt's nicht so sehr. Jemand erklärte mir, dass die primaries im Staat New York nicht von großer Bedeutung wären, da vor vornherein klar ist, wer gewinnen wird: Die derzeitige NY-Senatorin Clinton auf der einen, der ehemalige NYC-Bürgermeister Rudolph Giuliani auf der anderen Seite. Es fließen also wenig Werbegelder in diesen Staat und dementsprechend hält sich der Trubel in Grenzen.
Dies allerdings hat mittlerweile nur mehr eine begrenzte Gültigkeit: Giuliani ist aus dem Rennen, und: Wie mir gestern in New York City ein Obama-Unterstützer erklärte, ist die Höhe des voraussichtlichen Sieges von Hillary Clinton in NY keineswegs bedeutungslos. Denn für die weitere Kandidatennominierungsprozedur[1] zählen die prozentualen Ergebnisse. Sind also die NY primaries doch spannend?[2]
Vielleicht. Zumindest habe ich heute bei einer Kaffeepause im Cornell Daily Sun ein paar Artikel über den morgigen Wahltag gelesen und festgestellt, dass er zumindest die Redakteure dieser Campuszeitschrift nicht kaltlässt. Am Titelblatt stand erläutert, warum bei der heurigen Präsidentschaftswahl die sonst so politikfaulen Babyboomer-Kinder (also meine Generation) wichtiger und auch engagierter sind als in den Wahljahren davor. Ein anderer recht interessanter Artikel legte dar, inwiefern das Lager der Republikaner gespalten ist. Paradoxerweise mitten im Wahljahr hebe sich der derzeitige Favorit John McCaine als wesentlich liberaler und "linker" gegenüber der jahrelang so intakten konservativen Front hinter Bush ab. Und die Demokraten, die in den Jahren zuvor nie so recht zusammengefunden haben, seien selten so klar positioniert gewesen.
Auf der letzten Seite des Sun gab es dann noch einen Überblick über die Kandidaten und ihre wichtigsten Positionen, einen Aufruf, morgen zur Wahl zu gehen und eine Karte, wo überall am Campus gewählt werden kann. Ein Wahllokal ist bei mir nebenan im Alice Cook House. Vielleicht schau ich mir das an.
[1] Ich sehe normalerweise die Eigenart des Deutschen, Begriffe zu Monsterhauptwörtern zu akkumulieren, als einen sprachlich dickflüssigen Klotz an und versuche, solche Wörter zu vermeiden, aber die hiesigen, undurschaubaren Präsidentschaftsvorwahlkandidatennominierungsprozedurregelungen sind einfach auch konzeptionell ein Klotz. Da ist die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft nix dagegen.
[2] Ich habe mittlerweile nachgeschlagen, wie das genau funktioniert: New Yorks Demokraten entsenden 281 Delegierte, die später über die Präsidentschaftsnominierung entscheiden. 81 dieser Delegierten werden für den staatsweiten Sieger stimmen, die Stimmen der 151 anderen jedoch werden proportional auf die vom Volk gewählten Kandidaten aufgeteilt. Weitere 49 Delegierten sind in ihrer Stimmabgabe nicht vom Wahlergebnis gebunden, was auch immer das heißen mag.
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1 Kommentar:
...tja, und kurz bevor ich von der seite runter will, ist es mir noch vergönnt, deinen neuesten eintrag zu lesen. da wünsch ich dir doch gleich noch einen schönen abend und eine erfolgreiche woche hinterher und viel spaß bei deinen wiewichtigistdenamisbesondersdenithacanernundinnendiewahltatsächlichanalysen!
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