Alles fing an mit jenem edlen Mann dort oben am Podest. Ezra Cornell war keineswegs ein Gelehrter, sondern zunächst ein Handwerker, der später mit Samuel Morse gemeinsam Western Union gründete. Somit war Cornell ein reicher Mann. Er kehrte in seine Lieblingsstadt Ithaca zurück, in deren vielen Mühlen - man denke an die vielen Wasserfälle! - er als Zimmermann seine Karriere begonnen hatte. Er erwarb ein größeres Stück Land für agrarische Zwecke. Der amerikanische Staatenverband vergab damals Geld für zu gründende Landwirtschaftsschulen: Das erschlossene Land wuchs enorm schnell, doch nur wenige Leute hatten die richtige Ausbildung, um es gut zu bewirtschaften; dem wollte man entgegensteuern. Ezra Cornell lernte zu dieser Zeit folgenden Mann kennen, der ihm noch heute steinern gegenübersitzt:Ezra Cornell war niemals Rektor der Universität, anfangs bekleidete A.D. White diese Position. Dass der Name der Universität und auch die der Gebäude nicht unbedingt von den größten Köpfen, sondern von den Leuten mit dem größten Geldbeutel herrühren, ist ein Faktum, das sich bis heute durch die Geschichte von Cornell zieht.
Cornell war von Anfang an anders als die anderen Ivies. Von den acht Universitäten war sie die erste, die Landwirtschaft akademisch lehrte - die Cornell University ist bis heute berühmt für ihre tolle Agriculture School, was sie auch zu einer geeigneten Partnerinstitution der BOKU macht. Ezra Cornell wollte von Beginn an Frauen das Studium ermöglichen. Diese Vision konnte jedoch erst mit ein paar Jahren Verspätung verwirklicht werden- der Staat hatte als Mitfinanzierer Studentinnen gesetzlich nicht vorgesehen, die nötige Gesetzesänderung ließ eine Zeit auf sich warten. Kaum geschehen kamen schrieben sich A.D. Whites Frau und Ezra Cornells Tochter ein. Einen weiteren Bruch der guten alten Sitten erlaubte man sich durch die Konfessionsfreiheit der Universität. Alle anderen Ivies waren im Geiste einer bestimmten Religion gegründet worden und der Besuch der Messe war Pflicht für alle Studenten. Nicht so in Cornell, weshalb man abfällig als "the godless university" bezeichnet wurde. Heute präsentiert sich Cornell als eine multikulturelle Universität, die auch religious services für Dutzende verschiedene Religionen anbietet, und das in in einer Stadt, die als eine der liberalsten Amerikas gilt.Cornell scheint noch immer das gewisse Etwas innerhalb der Ivy League zu haben: Das Magazin Newsweek attestierte der Universität letztens in einem Artikel Hottest Ivy-Status.
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